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Hakan Nesser: Schach unter dem Vulkan

btb

Vor einem Jahr hatte nach langer Zeit Kommissar Barbarotti in „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer einen neuen Fall zu lösen. Diesmal lässt Hakan Nesser seine Fans nicht so lange warten und in „Schach unter dem Vulkan“ hat der Kommissar seinen mittlerweile siebten Fall zu lösen.
Doch bis er zum Einsatz kommt, dauert es handlungs- bzw. seitenmäßig etwas. Zuvor lernt man den erfolgreichen Autor Franz J. Lunde und sein neuestes Werk kennen, an dem er arbeitet. Während einer Lesung kommt es dann zu einem Zwischenruf aus dem Publikum, der Lunde irritiert, bald fühlt er sich unwohl in seiner Haut und ist auf der Hut vor weiteren solchen bedrohlichen Äußerungen seiner Leserschaft, bis er dann nach einer Veranstaltung in Kymlinge spurlos verschwindet….
Kurze Zeit später wendet sich die Handlung der Lyrikerin Maria Green zu, die aus ihrem Leben erzählt und einer guten Freundin von merkwürdigen Dingen berichtet, die sich während ihrer Lesungen in letzter Zeit ereignet haben, die sie ängstigen. Kurze Zeit später wird auch diese Autorin vermisst…
Die dritte Person, die im Verlauf ebenfalls spurlos verschwindet ist der Literaturkritiker Jack Walde.
Die Suche nach den Vermissten gestaltet sich schwierig, es gibt keine Anhaltspunkte für eine Straftat und ob die Fälle zusammenhängen, dafür gibt es keine stichhaltigen Beweise…. 
Anfangs fiel es mir etwas schwer, in die Handlung „einzutauchen“, da hier nicht nur ein Autor „zu Wort“ kommt. Hakan Nesser hat aber durch Überschriften und Datumsangaben die Kapitel geordnet und im weiteren Verlauf bekam ich den „roten Faden“ dann auch zu fassen. Eine kleine Ahnung hatte ich was sich „hinter“ den drei Fällen verbirgt und lag da auch richtig, aber was genau geschehen ist, habe ich nicht mal ansatzweise erahnen können!
Da die umfangreichen Bemühungen in allen drei „Fällen“ ohne irgendeine Spur ins Nichts laufen, herrscht über weite Strecken Ratlosigkeit bei den Ermittlern.  Auch Barbarottis Zwiegespräche mit dem Herrgott und der Gedankenaustausch mit seiner Kollegin und Lebensgefährtin Eva Backmann sind nicht zielführend. Ich möchte dieses Buch eher als leisen (Kriminal)Roman, der mit kleinen humorvollen Passagen und einem gewissen Augenzwinkern in manchen Szenerien aufgelockert wird, einordnen, der aber dann zum Schluss doch noch mit einem unvorhersehbaren Ende überrascht, was mir gut gefallen hat.
Alles in allem vergebe ich hier vier von fünf möglichen Punkten und hoffe, die Reihe um Kommissar Barbarotti wird weiter fortgesetzt.
Fazit: Eher leiser (Kriminal)Roman, der mit humorvollen Passagen angereichert ist und mit einem unvorhersehbaren Ende punkten kann!

 

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Arnaldur Indriðason: Tiefe Schluchten

Lübbe

Der pensionierte isländische Kommissar Konráð will eigentlich seinen Ruhestand genießen, doch so ganz gelingt ihm das nicht, denn nach seinem Debüt-Auftritt im Januar letzten Jahres in „Verborgen im Gletscher“ sowie im November 2020 in „Das Mädchen an der Brücke“,  gerät er aktuell eigentlich völlig unerwartet in „Tiefe Schluchten“ in die Ermittlungen eines Mordfalls:
Auf dem Schreibtisch in der Wohnung einer ermordeten Frau liegt die Telefonnummer vom ehemaligen Kommissar Konráð. Noch aus der Wohnung der Toten erhält er einen Anruf von seiner einstigen Kollegin Marta, die ihn fragt, ob er eine gewisse Valborg kenne…..
….nach dem ersten Schreck erwidert er: Eigentlich kenne ich sie gar nicht wirklich, sie hatte mich kontaktiert um ihr Kind zu finden, was ich aber abgelehnt habe…..
Nachdem Konráð etwas mehr über die Todesumstände von Valborg erfahren hat, lässt ihn der Gedanke nicht los, dass er den Tod der Frau womöglich hätte verhindern können, wenn er ihrer Bitte nachgekommen wäre, ihr Kind zu suchen, das sie gleich nach der Geburt vor vielen Jahren weggeben hatte.
Ohne weiter auf das Geschehen im Buch einzugehen, nur noch so viel: Durch akribisches Nachforschen, unzähligen Gesprächen mit Menschen, die jemals mit der Ermordeten in Kontakt gestanden haben, deckt der einstige Ermittler ein bewegendes Schicksal auf, das zudem auch noch sein eigenes Privatleben streift, denn wer die beiden vorherigen Bücher kennt, weiß, dass der Vater von Konráð ebenfalls ermordet und sein Tod nie aufgeklärt wurde. Tatsächlich war sein Vater ein Gauner, der zusammen mit einem Partner leichtgläubige Menschen um ihr Erspartes gebracht hatte. Inwieweit nun die „Tätigkeit“ seines Vaters bei den Recherchen nach Valborgs Kind eine Rolle spielen, bleibt hier unerzählt.
Ich liebe diese „leise“ Art Verbrechen aufzuklären, die ganz ohne anschauliche Gewaltszenen etc. auskommt, da hier Köpfchen gefragt ist, Menschenkenntnis, Spürsinn und Beharrlichkeit letztendlich zielführend sind, weswegen ich hier die volle Punktzahl vergebe und auf eine Fortsetzung der Reihe hoffe!
Zwar habe ich bei den isländischen Namen manchmal meine Schwierigkeiten, aber das Einordnen der Personen/Orte gelingt immer, denn dabei hilft schon der Erzählstil des Autors. Allerdings sollte man für ein besseres Hintergrundwissen/Verständnis – besonders was die Recherchen im Fall von Konráð’s Vater angeht – die Buchreihe von Beginn kennen, was ich aber nicht nur deswegen anrege, sondern auch da es sich einfach lohnt, sie zu lesen.
Ich habe alle in Deutschland veröffentlichten Bücher des Autors gelesen und bin ein absoluter Fan seiner Schreibkunst, die auch gleichzeitig Einblicke ins Leben der Isländer gibt, ob nun geschichtlicher oder auch traditioneller/gesellschaftlicher Art, was neben den spannenden Fällen eine ganz besondere Atmosphäre aufkommen lässt, die einen schnell ins Geschen abtauchen lässt.
Fazit: Köpfchen, feiner Spürsinn und Beharrlichkeit sind zielführend in diesem leise erzählten, aber nicht weniger spannenden Krimi aus dem hohen Norden! Bitte mehr davon!
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Simon Beckett: Die Verlorenen

Wunderlich

Simon Beckett schickt einen neuen Protagonisten in den „Ring“:
Jonah Colley gehört einer Spezialeinheit der Londoner Polizei an und durch einen telefonischen Hilferuf seines einstigen besten Freundes Gavin – den er seit zehn Jahren nicht mehr gesehen und gesprochen hat – gerät sein gerade wieder in einigermaßen normalen Bahnen verlaufendes Leben, total in Schieflage!
Gavin hatte verzweifelt geklungen und Jonah um ein Treffen in einer abgelegenen, alten Lagerhalle gebeten. Erst wollte dieser den Anruf ignorieren, aber dann hatte er sich doch auf den Weg gemacht und nachdem er im Dunkeln endlich die besagte Lagerhalle betritt, macht er eine schreckliche Entdeckung:
Neben Gavins Leiche findet er noch drei weitere in Plastikplane gewickelte Personen, wovon eine junge Frau gerade noch so am Leben ist, weswegen Jonah so schnell wie möglich Hilfe rufen will, doch dazu kommt er nicht mehr, denn er wird brutal angegriffen und bewusstlos geschlagen….
Dies ist ein Handlungsstrang der Geschichte, ein anderer spielt in „Rückblenden“ vor zehn Jahren, als der vierjährige Sohn von Jonah und Chrissie spurlos verschwand. Was genau passiert ist, wurde nie richtig geklärt…
Beide Handlungsstränge verweben sich im Verlauf. Jonah überlebt zwar den Angriff im Lagerhaus, aber was er den Ermittlern erzählt, klingt für die nicht plausibel und ganz besonders der Umstand, dass Gavins Leiche nicht gefunden wird, ist Grund genug, dass Jonah selbst als Tatverdächtiger gilt.
Bei dem Kampf im Lagerhaus hat Jonah schwere körperliche Blessuren davongetragen – u.a. ist eines seiner Knie nicht richtig belastbar und er kann sich nur noch unter Schmerzen an Krücken vorwärtsbewegen –,  trotzdem gerät er immer wieder in brenzlige/unüberlegte Situationen, die ihn ganz besonders körperlich fordern, wo ich mich gefragt habe, wie er diese Aneinanderreihung von „Kampfeinsätzen“ überhaupt auf Krücken meistern konnte. Auch dass er als Polizist bzw. Mitglied einer Spezialeinheit so unüberlegt, irgendwie schon „blauäugig“ handelt und dann immer wieder in gefährliche/unübersichtliche Situationen gerät, konnte ich nicht nachvollziehen.
Wer hier auf eine Handlung á la David Hunter – wie zuletzt „Die ewigen Toten“ hofft, der wird sicherlich enttäuscht sein, denn den gewohnten „Gruselfaktor“ bzw. der Blick in die forensische Anthropologie gibt es hier definitiv nicht!
Das Buch „Die Verlorenen“ liest sich gut, Spannung ist vorhanden, aber die oben erwähnten „Unebenheiten“ schmälern etwas den Lesegenuss. Da dies das „Debüt“ einer neuen „Figur“ ist, möchte ich aber erst noch abwarten wie sich die Fortsetzung der Reihe gestaltet, denn Potential ist durchaus vorhanden.
Fazit: Eher durchschnittliches Protagonisten-Debüt, dessen Potential aber noch nicht ausgeschöpft ist, so dass man erst noch die Fortsetzung der Reihe abwarten sollte!
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John Grisham: Der Polizist

Heyne Verlag

Bücher von John Grisham habe ich schon einige gelesen und hier vorgestellt, wie z.B „Die Erbin“. Sein bestimmt bekanntestes Buch „Die Jury“ habe ich zwar nicht gelesen, aber die aufsehenerregende Verfilmung steht bei mir im DVD-Regal.
Der aktuelle Roman „Der Polizist“ spielt fünf Jahre später als Die Jury, also 1990 und führt den Leser handlungsmäßig wieder nach Mississippi und der damals junge, aufstrebende Rechtsanwalt Jake Brigance hat sich nun endlich zusammen mit seiner Frau und Tochter von den schlimmen  „Nebenwirkungen“ des damaligen Falls erholt.
Gerade läuft seine Anwaltskanzlei ganz gut und er hat Freunde und gute Bekannte unter den Ordnungshütern, allen voran Sheriff Ozzie Walls. Die gute Stimmung zwischen Jake und den Deputies ändert sich schlagartig, als Richter Omar Noose ihm die Pflichtverteidigung des 16jährigen Drew Gamble aufbürdet, da sich kein anderer Anwalt für seine Verteidigung findet…
Der Fall schlägt hohe Wellen, denn Drew Gamble hat den ortsansässigen Deputy Stuart Kofer erschossen…
Nicht nur Drew gerät in den Fokus der Öffentlichkeit, die nur die Tatsache sieht, dass hier ein Polizist getötet wurde und man dafür appelliert, dass er die Todesstrafe verdient hat. Auch Familie Brigance wird wie einst angefeindet und ganz besonders Jake kommt nicht ohne Blessuren davon…
Wer die Bücher von John Grisham kennt, der weiß, so einfach sind die Fälle nicht, die hier erzählt werden!
Auch Jake Brigance ist nicht sonderlich glücklich über diesen Fall, denn die Bewohner der Kleinstadt lassen ihn und seine Familie spüren, dass man kein Verständnis dafür hat, dass er die Verteidigung übernommen hat. Aber je mehr Jake über die Umstände erfährt, die zu der Tat geführt haben und die kein sonderlich gutes Licht auf den Polizisten fallen lassen, bringt er sein ganzes  juristisches Können auf um Drew so gut wie möglich zu verteidigen. Vor Gericht muss dann erst einmal entschieden werden, war es denn tatsächlich Mord oder kommt auch etwas anderes in Betracht?
Der mehr als 600 Seiten (!) starke Roman, liest sich gut. Der Autor erzählt ruhig und ohne zu viel „Gesetzestext“ eine bewegende Geschichte, die einen berührt, so dass man dann ganz besonders auf die Gerichtsverhandlung gespannt sein darf.
Da ich die Verfilmung von Die Jury noch gut vor Augen habe, wo Matthew McConaughey die Rolle des Jack Brigance übernommen hatte und auch weitere Figuren von damals wieder im aktuellen Buch mitwirken wie z.B. Sheriff Ozzi Walls, Lucien Wilbanks oder Richter Omar Noose begann bei mir recht schnell ein „Kopfkino“, so dass ich hier die volle Punktzahl vergebe und mir durchaus eine Verfilmung dieses spannenden, anrührenden und fesselnd erzählten Falls vorstellen kann. Da ja noch ein paar Fragezeichen am Ende im Raum stehen, hätte ich auch nichts gegen eine Fortsetzung der Reihe.
Fazit: Volle Punktzahl für diesen bewegenden und spannend erzählten neuen Fall für Jack Brigance. Ein Muss für die Fans von Die Jury und Die Erbin!
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Romy Fölck: Mordsand

LÜBBE

Schon seit dem ersten Buch hat mir der Erzählstil der Autorin gut gefallen und ich habe immer nach einer Fortsetzung der spannenden Krimi-Reihe geschaut. Die „Figuren“ kommen sympathisch rüber und sind gut gezeichnet. Mittlerweile fühlt man sich gleich nach den ersten Textpassagen wieder auf dem Paulsenhof „heimisch“, weswegen ich auch gespannt war, welche Ereignisse in „Mordsand“ auf die beiden Ermittler Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn, die für die Kriminalpolizei in Itzehoe arbeiten, wieder zukommen.
Nachdem nun einige Zeit vergangen ist und Frida Paulsen wieder auf dem Apfelhof ihrer Eltern in der Elbmarsch wohnt, hat sich durch ihr Engagement nun auch der recht in die Jahre gekommene Hof neu herausgeputzt, was ja im letzten Buch „Sterbekammer“ schon seinen Anfang nahm. Im Verlauf der neuen Handlung passiert noch einiges und es kommt „neuer Schwung und neues Leben“ auf das Hofgelände, worüber  gut eingewoben in den Kriminalfall berichtet wird.
Seit geraumer Zeit sind Frida und der Rechtsmediziner Dr. Torben Kielmann ein Paar, was aber bisher nur ihr Kollege Bjarne Haverkorn auf dem Revier „mitbekommen“ hat, weswegen er auch nicht erstaunt ist, dass er beim morgendlichen „Besuch“ auf dem Apfelhof, die beiden gemeinsam mit dem Rest der Hofbewohner am Frühstückstisch sitzen sieht. Eigentlich passt ihm das genau in den Kram, denn ihr neuer Fall verlangt auch nach einem Rechtsmediziner, denn auf einer der Elbinseln wurde ein Kochenfund gemeldet
Und dieser Knochenfund hat es in sich: Aus dem anfangs entdeckten Schädel, der am Ufersaum aus dem Sand ragt, entpuppt sich dann bei genauerer Untersuchung ein ganzes männliches Skelett, das einige „Besonderheiten“ aufweist…
Während die Ermittlungen im „Knochenfund“ laufen, wird kurze Zeit später auf einer anderen Elbinsel der Leichnam eines Mannes entdeckt, der nur mit dem Oberkörper aus dem Schlick ragt…..
Es gibt reichlich zu tun für das gesamte Team und was sie dann letztendlich zu Tage fördern, führt sie „rüber“ in das Gebiet der ehemaligen DDR und in die Vergangenheit zu einer Institution wo „Umerziehung“ praktiziert wurde…..
Ich kann nur sagen, Romy Fölck ist eine ganz tolle „Geschichtenerzählerin“. Durch die bildhaft geschilderte Szenerie ist man gleich mitten im Geschehen bzw. „live“ dabei als das junge Paar die menschlichen Überreste findet…..grrrh!
Parallel zur aktuellen Handlung gibt es einen Blick in die Vergangenheit und einen Einblick in die „Umerziehung“, die damals praktiziert wurde. Was man hier dann darüber erfährt, lässt einen erschauern und entsetzt innehalten….
Trotz dieser nachdenklich machenden Geschichte, habe dieses Buch gern gelesen und mich spannend unterhalten gefühlt. Auch freue mich schon auf die in „Mein Dank“ angekündigte Fortsetzung der Reihe. Besonders gut hat mir auch gefallen, dass erst ganz am Schluss des Rätsels Lösung sichtbar wurde und nicht vorhersehbar war.Toll!
Fazit: Spannender, unvorhersehbarer, aber auch nachdenklich machender, lesenswerter Page-Turner!
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Arnaldur Indridason: Das Mädchen an der Brücke

Lübbe

Anfang dieses Jahres hatte ich „Verborgen im Gletscher“ vorgestellt, wo der pensionierte isländische Kommissar Konrad sein Debüt gab. Neben der spannenden Kriminalhandlung gab es auch Einblicke in das Privatleben des Kommissars, der nach der Trennung der Eltern bei seinem recht durchtriebenen Vater aufgewachsen ist.
In „Das Mädchen an der Brücke“ erzählt Arnaldur Indridason in seinem ganz eigenen Erzählstil von einem vor Jahren verstorbenen zwölfjährigen Mädchen, dass man tot in einem Fluss treibend, aufgefunden hatte. Die polizeilichen Ermittlungen von damals hatten den Tod des Mädchens als Unfall eingestuft….
In der Jetztzeit wird der ehemalige Kommissar von einem älteren Ehepaar um Hilfe bei der Suche nach ihrer Enkelin Danni gebeten. Die junge Frau scheint in schlechte Gesellschaft geraten zu sein und war offenbar als Drogenkurierin „tätig“ um sich so ihr Geld für den eigenen Konsum zu verdienen. Doch seit ein paar Tagen geht sie nicht mehr an ihr Handy, weswegen die besorgten Großeltern sich an Konrad wenden….
Während Konrad sich etwas bei seinen alten Kollegen umhört um eventuell etwas über den Verbleib von Danni rauszubekommen, beschäftigt er sich aber auch noch in seiner „Freizeit“ mit dem fragenaufwerfenden Tod seines Vaters, der zusammen mit einem Kompagnon spiritistische Sitzungen abgehalten hatte. Das Tun der beiden eher windigen Typen wirft mehr Fragen auf, als Konrad lieb ist..
Dies sind nur kleine Puzzlesteinchen aus der komplexen Handlung, die Arnaldur Indridason hier in ruhigen Tönen und durch seine geschickte spannende Erzählweise im Verlauf zusammenfügt. Ganz besonders mit welchem besonderen Fingerspitzengefühl hier ein hoch brisantes und leider auch immer wieder aktuelles Thema in diese weitgefächerte Geschichte eingewoben wurde, ist gelungen. Obwohl wie eben erwähnt, das Thema „hard stuff“ ist und das Gelesene noch lange nachwirkt, vergebe ich hier die volle Punktzahl und meine Leseempfehlung. Gern darf es weitere Bücher mit diesem Hauptakteur geben!
Fazit: Volle Punktzahl für spannende Unterhaltung, bei der man aber starke Nerven braucht!
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Hakan Nesser: Barbarotti und der schwermütige Busfahrer

btb

Es ist schon einige Jahre her als in „ Am Abend des Mordes“ der schwedische Inspektor Gunnar  Barbarotti  seinen letzten Fall gelöst hatte.
Aber nun hat das lange Warten ein Ende „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“  ist erschienen:
Im Privatleben des Ermittlers hat sich etwas getan, denn nun lebt er bereits einige Zeit mit seiner langjährigen Kollegin und mittlerweile auch Lebensgefährtin Eva Backman zusammen.  Bevor die beiden Ermittler sich dem im Buchtitel verankerten schwermütigen Busfahrer zuwenden, dauert es noch etwas und was es mit diesem Mann – sein Name ist übrigens Albin Runge –  auf sich hat, bekommt man aus unterschiedlichen Sichtweisen und verschiedenen Zeitebenen vom Autor erzählt.
In der Jetztzeit – 2018 – muss Eva Backman während eines Einsatzes ihre Schusswaffe gebrauchen um eine bevorstehende Katastrophe abzuwenden, was allerdings für einen jungen Mann dann tödlich endet…
Nicht nur Eva ist nach dem folgenschweren Einsatz „reif für die Insel“ auch Gunnar Barbarotti fühlt sich schon längere Zeit ausgelaugt und so kommen sie mit ihrem Vorgesetzen überein, dass sie sich eine zweimonatige Auszeit nehmen, die sie dann auf der Insel Gotland verbringen wollen.
Dort angekommen, passiert es, dass Barbarotti in einem zufällig vorbeifahrenden Radfahrer an einen Mann erinnert wird, der vor mehr als fünf Jahren auf die Polizeiwache kam und von Drohbriefen und –anrufen erzählte, die er bekommen habe. Er selbst vermutete einen Zusammenhang mit einem fürchterlichen Unfall in den er als Busfahrer verwickelt war und bei dem viele Menschen ihr Leben verloren…
In Rückblenden erfährt der Leser, was dann im weiteren Verlauf passiert und wie es dazu kam, dass der Busfahrer Albin Runge trotz umfangreicher polizeilicher Schutzmaßnahmen selbst Opfer eines Verbrechens wurde….
Wie es handlungsmäßig dann auf Gotland weitergeht, bleibt hier unerzählt….
Ich mag den ganz besonderen Erzählstil von Hakan Nesser. Er ist ein sehr guter Geschichtenerzähler, der genau weiß, wie er seine Leser fesselnd unterhalten kann. Das ist ihm auch in seinem neuen Buch wieder gelungen.
Allerdings hatte ich dann irgendwann eine Ahnung wie bzw. was geschehen sein könnte und lag im Großen und Ganzen richtig, weswegen ich hier einen kleinen Punkt abziehe. Nichtsdestotrotz war es wieder einmal schön vom Inspektor zu hören bzw.  zu lesen, der auch weiterhin in kniffligen Situationen Zwiesprache mit Gott hält.  Auch wie sein Privatleben sich weiterentwickelt hat, nachdem er ja im letzten Buch in eine schwere Krisensituation geraten war, ist gut eingewoben und ein angenehmer Bestandteil der Rahmenhandlung.
Ich für meinen Teil würde gern noch weitere Fälle mit diesem besonderen Ermittler-Pärchen lesen.
 Fazit: Lesenswerter, spannend abgefasster sechster Fall mit Inspektor Barbarotti
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