TOP

Gisa Pauly: Venezianische Liebe

Die Autorin wandelt mal wieder auf „Abwegen“ und hat wie bereits schon mal zuvor bei  Der Mann ist das Problem“ nun erneut einen eigenständigen Roman mit dem Titel „Venezianische Liebe“ geschrieben, der zwar in Italien spielt, aber Mamma Carlotta kommt nicht darin vor.
Maria ist voll im „glückseligen Stress“ gefangen, denn ihre einzige Tochter Amelie will in Venedig heiraten! Während sie sich gedanklich mit Gästelisten, Tisch-Deko etc. beschäftigt, kommt sie in dem angemieteten Haus in Venedig an, so ist die ganze Familie unter einem Dach untergebracht, was einerseits praktisch gedacht ist, aber auch Maria etwas Bauchschmerzen bereitet, denn sie wird nach langer Zeit ihren Ex-Mann Adrian wiedersehen und auch ihr Bruder Cyrill, ein berühmter Modeschöpfer, der natürlich für das perfekte Brautkleid zuständig ist, plant sich hier mit seiner großen Liebe zu treffen, was heikel ist, darf doch niemand von dieser Liebe wissen. Außerdem soll auch noch Marias beste Freundin Judy mit in dem Haus wohnen, die als Patentante von Amelie natürlich bei den Hochzeitsvorbereitungen unbedingt dabei sein will….
Obwohl Maria durch das bevorstehende Zusammentreffen mit ihrem Ex-Mann ja schon etwas angespannt ist, passiert dann etwas, was sie völlig aus der Bahn wirft, denn während sie ihren Espresso auf einem der idyllischen Plätze Venedigs einnimmt, ertönt plötzlich eine ihr sehr bekannte Melodie, die von einem etwas ungepflegt wirkenden Mann auf einer Geige gespielt wird. Maria erstarrt, denn der Künstler, der vor vielen Jahren mit dem Lied „Venezianische Liebe“ berühmt wurde, ist tot! Doch irgendetwas an dem Mann, der da vor ihr steht, erinnert sie an den Künstler von einst, aber kann das sein???? Plötzlich verschwindet er aus Marias Sichtfeld und ist wie vom Erdboden verschluckt….
Maria unternimmt einiges um herauszufinden, wer der Mann ist. Sollte es wirklich der Künstler von einst sein, dann käme es zu reichlich Komplikationen bei der anstehenden Hochzeit, denn July, ihre beste Freundin war einst mit ihm verheiratet und ihr Bruder Cyrill bekäme sicherlich eine seiner „Krisen“, wenn er dem Totgeglaubten begegnen würde, hat er doch noch ein „Hühnchen mit ihm zu rupfen“…
Durch den Covertext wird man ja schon auf ein „Verwirrspiel“ hingewiesen und durch den mysteriösen Geigenspieler, der eine wichtige Rolle spielt, gibt es auch eine Ungewissheit im Handlungsablauf, die dann mit einigen humorvollen Einlagen vermengt wird. Aber mir waren es einfach zu viele Geheimnisse, die hier verdeckt/aufgedeckt wurden. Das Gefühlswirrwarr verkompliziert die Handlung und auch der Erzählstil ist irgendwie anders als sonst bzw. wie man ihn aus den „Sylt-Krimis“ kennt.
Fazit: Zwar kann man das italienische Flair spüren und sich auch durch die bildhafte Beschreibung der Örtlichkeiten gut in Venedig zurechtfinden, aber für mich war es einfach zu „emotional“, turbulent und durch die Geheimniskrämerei zu verwirrend um an das gewohnte Lesevergnügen anzuknüpfen, so dass ich nur 4 von 5 Sternchen vergebe.

 

 

 

Read More
TOP

Gisa Pauly: Vogelkoje

Es gibt einen guten Grund für Mamma Carlotta mal wieder einen Besuch auf Sylt zu machen, wo die Familie ihrer verstorbenen Tochter lebt. Ihre Enkelin Carolin wird 18 Jahre alt, das ist doch ein Grund zum Feiern.
Doch wer die Geschichten um Mamma Carlotta kennt, der weiß genau, dass meistens Turbulenzen entstehen, wenn sie mit ihrem Temperament über die Insel „peest“ und dabei so einiges aufschnappt, was eigentlich im Verborgenen bleiben soll und sie  dann auch noch ganz nebenbei für ihre Lieben  italienische Leckereien auf den Tisch zaubert….
Im Hause ihres Schwiegersohns Erik Wolf, der auf der Insel ja als Kriminalhauptkommissar arbeitet, wird in einigen Räumen renoviert, was Eriks neue Freundin Swea vorangetrieben hat, nur in der Küche, wo Mamma Carlotta sofort wieder mit Begeisterung den Kochlöffel schwingt, ist alles beim Alten geblieben.
Ronnie, ein junger Mann, der unter Swea Fittichen steht, ist für die Malerarbeiten engagiert worden, was besonders gut bei Caroline ankommt…
Doch dieser junge Mann rückt schnell in den Focus von Mamma Carlotta,  denn sie entdeckt ihn bei einem ihrer Besuche in ihrer Lieblingskneipe „Käptan’s Kajüte“ und dort scheint er in undurchsichtige Machenschaften verwickelt zu sein….
Diesmal stehen die Aufregungen und Ereignisse rund um die Familie Wolf doch ziemlich im Mittelpunkt, obwohl Kommissar Wolf und sein Kollege Sören doch beruflich sehr eingespannt sind, denn auf Sylt finden gehäuft illegale Autorennen statt. Bei ihren Recherchen in dieser Sache werden die beiden dann Augenzeugen eines makaberen Zwischenfalls, denn während eines dieser Rennen verunglückt ein bestückter Leichenwagen, dessen Inhalt dann auf der Straße landet…..
Wie gewohnt liest sich das Buch flüssig und ist mit viel Humor angereichert. Im Verlauf treten sehr viele Personen auf und da werden auch mal falsche Angaben zur Identität gemacht,  was dann zu einigen Verwirrungen führt, so dass man schon genau aufpassen muss, wer hier alles im Geschehen auftaucht.  Nichtsdestotrotz ist auch „Vogelkoje“ (übrigens ein Naturschutzgebiet, wo man in der Handlung eine Leiche entdeckt) wieder heiter-spannender Lesestoff, der sich gut als Ferienlektüre eignet.
Übrigens hat Mamma Carlotta erneut einige ihrer Rezepte verraten, die am Ende des Buches abgedruckt sind und zum Nachkochen anregen.
Fazit: Durch falsche Identitätsangaben wird es im Mittelteil etwas wuselig, so dass man aufpassen muss, dass man sich nicht den Überblick verliert. Nichtsdestotrotz unterhält Mamma Carlotta wieder durch ihr Temperament und ihre Spürnase, so dass man hier von einem heiteren humorvollen, aber auch spannenden Buch sprechen kann!

 

Gisa Pauly: Vogelkoje – Hörbuch

Wer nicht so gerne selber liest, dem kann ich nur das Hörbuch des Sylt-Krimis empfehlen, dass bei audio media erschienen ist.
Schon das Cover ist wieder ansprechend gestaltet und man kann erahnen, wohin es handlungsmäßig (I love Sylt) geht und das hohe Geschwindigkeit (Autorennen) sicherlich einen Part übernimmt.
Erneut hat mit ihrer markanten Stimme Christiane Blumhoff den Part der Vorleserin übernommen. Besonders gut und mit Wiedererkennungsfaktor verkörpert sie die Figur der Mamma Carlotta, deren italienischer Akzent hier besonders gut zur Geltung kommt. Aber auch andere Mundart kommt ihr sehr gut über die Lippen, was man dann bei einigen anderen Personen in der Handlung heraushören kann.
Obwohl die ungekürzte Lesung 16 Stunden dauert, war es nie langweilig und durch die gekonnte Vortragsart von Frau Blumhoff, waren die im Buch erscheinenden Figuren gut zu unterscheiden und besonders, die Situationen in denen es zu „ungewolltem Körperkontakt“ auf Seiten Mamma Carlottas kommt, hatte man direkt vor Augen, so dass man auch mal herzhaft lachen kann…
Fazit: Durch Christiane Blumhoffs Stimme wird Mamma Carlotta lebendig, so dass man hier von einem heiter-vergnüglichen, aber auch spannenden Hörerlebnis sprechen kann! Davon kann man durchaus noch mehr vertragen!
Read More
TOP

Elisabeth George: Bedenke, was du tust

Ein Inspector-Lynley-Roman!
Ich muss gestehen, ich kenne bisher die Geschichten um Inspector Lynley und seiner öfters mal ins Fettnäpfen tretenden Mitarbeiterin Barbara Havers nur als Verfilmung aus dem Fernsehen.
Da mir diese spannenden Filme immer gut gefallen haben, war ich auf die Buchvorlage des neuen Romans um Inspector Lynley  mit dem Titel „Bedenke, was du tust“ gespannt. Ich habe  mir das Buch in der vollständigen Lesung – die übrigens über 20 Stunden dauert und von Stefan Wilkening toll vorgetragen wird – angehört.
Erst einmal ist für mich seit der letzten Verfilmung einiges in der Rahmenhandlung passiert und aktuell steht Barbara Havers auf der Abschussliste ihrer Chefin und sie arbeitet nicht mehr offiziell mit Inspector Thomas Lynley zusammen.
Auch im Privatleben der beiden hat sich einiges getan, Thomas Lynley ist frisch verliebt, aber von fester Beziehung kann man noch sprechen. Barbara wird von einer Kollegin auf Trapp gehalten, die versucht ihr einen neuen Kleidungsstil angedeihen zu lassen und lässt außerdem nichts unversucht, Barbara irgendwie zu verkuppeln.
Da es Barbaras Kollegin wirklich gut meint, da sie um die Probleme mit der Vorgesetzten weiss und Havers alles versucht um ihre Chefin bei Laune zu halten um nicht in irgendein Provinznest versetzt zu werden, lässt Barbara sich auf die eine oder andere Unternehmung ein und bei einer dieser Gelegenheiten lernt sie zufällig die Bestsellerautorin Clare Abbott kennen. Wenige Tage später erfährt sie vom Tod dieser Frau und kurze Zeit später kontaktiert Rory Stratham, die Freundin und Lektorin von Clare Abbot Barbara, denn sie glaubt nicht an eine natürliche Todesursache…
Im Verlauf setzt sich Lynley sehr für Babara Havers ein und sie erhält die Erlaubnis nebst einem neuen Kollegen den Tod von Clare Abbott etwas genauer zu betrachten…..
Tatsächlich gibt es kleine Ungereimtheiten und Barbaras Ermittler-Instinkt ist geweckt, besonders als sie kurze Zeit später Rory in deren Wohnung mehr tot als lebendig auffindet…..
So zusammengefasst, ist dies aber nur ein Puzzle-Teil der Gesamthandlung, die eigentlich eine tragische und krankhafte Familiengeschichte ist, denn es gibt hier einige auffällige Personen bzw. eigenwillige Beziehungen, die zum Verwirrspiel um die Auflösung der Kriminalgeschichte beitragen.
Wer sich hier knisternde Spannung und „blutige Szenen“ erhofft, der liegt hier ganz falsch.  Elisabeth George hat einen sehr angenehmen und besonders anschaulichen Erzählstil, der mir gut gefällt. Allerdings fehlt mir tatsächlich hier die fesselnde Spannung in der Handlung, obwohl man aber unbedingt hinter die Auflösung der Geschichte kommen möchte. Die  Fokussierung auf eine Verdächtige und der Versuch diese Person eines vermutlichen Verbrechens zu überführen, steht im Vordergrund der Ermittlungen. Wer die anderen Geschichten aus dieser Reihe kennt, der weiss, dass meist das Böse im Verborgenen liegt, was sich hier wieder einmal bestätigt…
Da es ein Roman ist und nicht in der Kategorie Krimi oder Thriller herausgegeben wurde, kann ich dies nur bestätigen, das Hörbuch ist unterhaltsam, aber man muss sich schon etwas Zeit nehmen um hinter alle Fassaden schauen zu können. Der Vorleser Stefan Wilkening macht seine Sache wirklich gut und ihm ist es auch zu verdanken, dass dieser Roman lebendig wird und man ins Geschehen abtaucht, was ein ganz besonders wichtiger Punkt für mich ist um bei so langen „Vorträgen“ überhaupt am Ball zu bleiben und das hat sich hier auf jeden Fall gelohnt.
Fazit: Kein spannender und fesselnder Krimi, aber eine hörenswerte tragisch/krankhafte, aber auch mörderische Familiengeschichte, die wunderbar von Stefan Wilkening vorgetragen wird!
Read More
TOP

Andrea Sawatzki: Ihr seid natürlich eingeladen

Bei Familie Bundschuh ist wieder Trubel angesagt: Nachdem der 19-jährige Rolf,  der älteste Spross der drei Kinder von Gundula und Gerald Bundschuh seine Mutter aus Amerika anruft und ihr ganz nebenbei mitteilt, dass sie demnächst Oma wird und man plane noch vor der Niederkunft seiner geliebten Candy in Deutschland zu heiraten, ist Gundula erst einmal baff, sprachlos und dann fließen bei ihr die Tränen, denn ohne ein weiteres Wort legt Rolfi auf….
Nun sind Gerald Bundschuhs angeblichen gute Englischkenntnisse gefragt um Näheres über die geplante Anreise und Hochzeit zu erfahren. Doch das Telefonat mit den Eltern der Braut ist dann alles andere als klärend und führt dann doch über den Teich hinweg zu einigen Mißverständnissen…
Nach der ersten Schockphase plant Gundula Bundschuh dann die Hochzeit ihres Sohnes. Besonders für die Unterbringung der über zehn anreisenden neuen Mitglieder der Familie muss gesorgt werden, da ja auch Gundulas Eltern, Bruder Hadi nebst Gattin Rose und ihre Schwiegermutter zu diesem Fest zu Besuch kommen. Um die Feier ganz familiär zu gestalten, plant man eine Gartenparty, wo dann Gerald ein Spanferkel grillen will, was sich noch als große Herausforderung entpuppen soll…
Nun wer die beiden vorherigen Bücher über Familie Bundschuh gelesen hat, der weiß ganz genau, bei „Ihr seid natürlich eingeladen“ sind mit Sicherheit Turbulenzen zu erwarten und Gundula malt sich ja bereits einige Holpersteine aus, aber dass was hier alles rund um die Hochzeit ihres Sohnes passiert, ist schon alptraumhaft und verlangt von ihr mal wieder stahlharte Nerven und da ist es gut, dass ihr Psychotherapeut gleich in der Nähe wohnt…
Wer die turbulenten  Geschichten über die Familie Bundschuh noch nicht kennt, da bietet sich handlungsmäßig  jetzt zur  Weihnachtszeit das erste Buch der Reihe mit dem Titel „Tief durchatmen, die Familie kommt“ an und auch Buch Nr. 2 „Von Erholung war nie die Rede“ sollte man ebenfalls nicht verpassen!
Ich fand es wunderbar, dass Andrea Sawatzki auch gleich bei der Verfilmung des ersten Buches die Hauptrolle der Gundula Bundschuh übernommen hat. Axel Milberg als Gerald Bundschuh finde ich auch treffend besetzt, genau wie Judy Winter als Gundulas weinselige Schwiegermutter Susanne. Durch die Verfilmung hatte ich beim Lesen des wieder wunderbar erzählten und mit ganz viel Humor angereicherten  „Hochzeits-Chaos“ genau die mitwirkenden  Personen vor Augen, was dann wie ein Kopfkino war und mir sehr gut gefallen hat.
Fazit: Hier bleibt kein Auge trocken, gelungene humorvolle Fortsetzung der „Bundschuh“-Reihe, die hoffentlich in dieser Form fortgesetzt wird.

 

Read More
TOP

Wendy Walker: Dark Memories

978-3-8398-1490-1
Die Lesung der Hörbuchfassung hat Sascha Rothermund übernommen. Er  hat eine angenehme einfühlsame Stimme, was sehr gut zur Handlung von  „Dark Memories“ passt, denn die Tortur, die die sechszehnjährige Jenny Kramer über sich ergehen lassen muss, wird hier sehr detailliert erzählt:
Sie schafft es mit letzter Kraft aus dem Wäldchen heraus, wo der maskierte Täter sie nach der brutalen Vergewaltigung hat liegen lassen, so dass Passanten auf sie aufmerksam werden und man sie ins Krankenhaus bringt. Dort kann man zwar alle inneren und äußeren Verletzungen behandeln und die Ärzte versichern ihr und ihren Eltern, dass sie wieder gesund wird, aber so ein Trauma psychisch zu verarbeiten, das ist eine ganz andere Hürde, die Jenny meistern muss.  Auf Wunsch ihrer Eltern hatte man ihr im Krankenhaus ein Medikament verabreicht, das jegliche Erinnerung an den brutalen Übergriff und somit auch an den Täter ausgelöscht hat.  Doch Jenny kommt damit nicht gut zurecht, denn sie hat körperlich so viel durchgemacht, dass sie die „Schwärze“ in ihrem Kopf nicht mehr ertragen kann….
Hier kommt dann der Psychiater Dr.  Alan Forrester ins Spiel und gemeinsam mit Jenny will er Licht ins Dunkeln bringen, damit der Täter endlich gefasst wird…
Der Psychiater hat in diesem Buch auch den Part des Erzählers übernommen. Doch dieser Erzählstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, denn ich finde seine Art etwas überheblich und im Verlauf  auch sein Handeln egoistisch und manipulativ. Außerdem dreht es sich nicht nur um die Aufarbeitung von Jennys Schicksal, sondern auch die Probleme ihrer Eltern kommen zur Darstellung und Dr. Forrester therapiert sie dann gleich noch mit. Außerdem öffnet er noch weitere Krankenakten wie z.B. die von Shaun, einem ehemaligen Soldaten, der nach einem Auslandeinsatz traumatisiert ist.  Einen seriösen Eindruck macht der liebe Doktor auf  mich nicht  und seine medizinischen „Erklärungen“ fand ich auch entbehrlich, denn man hatte schon als Zuhörer genug damit zu tun, die ganzen Lebensläufe nicht durcheinander zu bringen und besonders den Täter fand ich dann „wie aus dem Hut gezaubert“, denn so richtig nachvollziehen konnte ich nicht warum Jenny sein Opfer wurde….
Fazit: Sascha Rothermunds Lesung ist es zu verdanken, dass ich das Hörbuch überhaupt zu Ende gehört habe. Fesselnde Spannung kam durch den eigenwilligen Erzählstil, die teils sehr detaillierten Situationsbeschreibungen und die Öffnung zu vieler Patientenakten hier für mich nicht auf.

 

Read More
TOP

Jan Büchsenschuß: Oleander – Vom Lesen und Töten

Büchsenschuß_Oleander_1400px

Simon Oleander ist tot. Sein Testament soll verlesen werden und dazu hat man sich im Mai 2012 in der Villa des Verstorbenen versammelt.
Eigentlich brauchte es kein Testament zu geben, denn die Familie Oleander hat einen Familiencodex den „Lex Oleandrin“, der genau regelt wer der nächste „Hüter des Familienbesitzes“ ist.
Simon hatte ein Faible für das geschriebene Wort, dass ihm sozusagen in die Wiege gelegt wurde. Im Verlauf der vielen bereits zurückliegenden Generationen der Familie Oleander, die sich alle für Literatur begeistern konnten, hat sich ein großer Schatz angesammelt, sprich unzählige Bücher sind überall in der Villa zu finden und in einer groß angelegten Bibliothek untergebracht.  Man fühlt sich in der Familie Oleander dazu verpflichtet, dieses Erbe zu schützen.
Und so halten alle anwesenden Familienmitglieder das vorgetragene Testament, das u.a. lautet: … eigentlich ist Hagen der Erbe, aber ich möchte, dass ihr alle etwas tut und Euch das Geld redlich verdient, sonst ist es weg!“  auch anfangs für eine „Marotte“ des Verstorbenen, doch bald wird ihnen allen klar, dies ist „blutiger Ernst“ und es heißt in kürzester Zeit ein Codewort zu finden, welches sich aus Hinweisen zusammensetzen soll, dass in den unzähligen Büchern versteckt ist…….
Während man als Leser die Familienmitglieder auf der Suche nach dem besagten Codewort begleitet, gibt es interessante Einblicke in die spannende Welt der Literatur……
Das Buch liest sich gut und auch das „Geheimnis“ der Familie Oleander kommt er ganz langsam zum Vorschein, so dass der Spannungsbogen gehalten wird und man im Verlauf der durchaus blutigen Schnitzeljagd dann seiner Phantasie freien Lauf lassen kann, was es mit dem Testament auf sich hat……
Allerdings sind recht häufig Fremdwörter im Text eingestreut, die den „ungeübten“ Leser vielleicht etwas verschrecken, was schade wäre, denn der Roman „Oleander“ ist nicht nur eine spannende Familiengeschichte, die ein düsteres Geheimnis birgt, sondern eigentlich eine Art Liebeserklärung an das geschriebene Wort bzw. das Lesen von Büchern, die man hier durch das Abtauchen in die umfangreiche Bibliothek der Familie Oleander vorgestellt bekommt….
Aus dem Lebenslauf des Autors geht hervor, dass er Architektur studiert hat, was sich dann hier im Buch auch widerspiegelt, denn wer so spannend von unterschiedlichsten Geheimgängen schreiben kann, der muss davon auch etwas verstehen…
Fazit: Um hinter das düstere Geheimnis der Familie Oleander zu kommen, muss man nur eines tun: Dieses Buch lesen!
Read More
TOP

Joel Dicker: Die Geschichte der Baltimores

f3193935cf

Im September 2013 habe ich das erste in Deutschland erschienene Buch von Joel Dicker „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ mit Begeisterung gelesen und darüber hier berichtet.
Nun gibt es einen neuen Roman mit dem Titel „Die Geschichte der Baltimores“ und erneut hat  Joel Dicker ein von der ersten Seite an fesselndes und spannendes Buch geschrieben. Es geht um die Familiengeschichte des erfolgreichen Schriftstellers Marcus Goldman, der auch im ersten Buch eine wichtige Rolle gespielt hat. Doch man muss es nicht zwangsläufig gelesen haben um die neue Geschichte zu verstehen.
Ich überlebe was ich von dieser Familiengeschichte überhaupt hier preisgegeben darf, denn sie ist einfach zu interessant und mit viel Einfühlungsvermögen geschrieben. Der Schreibstil ist flüssig, fesselnd und die Charaktere sind so gut gezeichnet, dass man sie direkt vor Augen hat.
Marcus Goldman ist auf der Suche nach einer Idee für sein neues Buch und da kommt ihm ein zugelaufener Hund zur Hilfe, der ihn zu einer Frau führt,  die er seit seiner Jugend kennt und später dann geliebt hat. Die Trennung war schmerzlich für beide und er merkt, dass er immer noch Gefühle für Alexandra Neville hegt….
Durch sie erinnert er sich an die für ihn schönsten Jahre seiner Kindheit und Jugend, die er größtenteils bei der Familie seines wohlhabenden und angesehenen Onkels Saul in Baltimore verbracht hat:
Sein Cousin Hillel, Woody, ein Junge der bei der Familie Goldman lebt und Marcus  sind im gleichen Alter und eine eingeschworene unzertrennliche Gemeinschaft, die durch dick und dünn geht und damals sogar einen wichtigen Pakt geschlossen haben…
Durch unterschiedliche Schulbesuche bzw. Studium an unterschiedlichen Universitäten verlaufen die in der Jugend erträumten Lebenswege der Drei dann doch ganz anders und im Verlauf der Geschichte kommt es zu mehreren Stolpersteinen, die die Freundschaft auf eine harte Probe stellt und da oftmals im Leben alles anders kommt als geplant, beginnt die Erzählung am 24.10.04 als Marcus Goldman einen Anruf seines Onkel Saul bekommt der wie folgt lautet:
„Marcus, Du musst sofort herkommen, es ist etwas Schreckliches passiert…..“
Doch man erfährt nicht gleich was passiert ist, nein es geht geheimnisvoll und spannend von einem Lebensabschnitt zum nächsten und erst ganz am Schluss kann man lesen, welch eine Katastrophe sich ereignet hat….
Mehr gebe ich hier nicht preis, denn dieser fesselnde Roman ist nicht nur eine Familiengeschichte, sondern hier geht es um tiefe Freundschaft, Liebe, Eifersucht, Neid, Trennung und Verlust. Einfühlsam und packend erzählt, so dass man sogähnlich ins Geschehen katapultiert wird und nach kurzer Zeit hat man das Gefühl die Figuren bzw. Personen persönlich zu kennen, so dass sie vor dem geistigen Auge erscheinen. Und genau diese Art zu schreiben hat mich schon beim ersten Roman von Joel Dicker fasziniert und es wundert mich nicht, dass er für seine Bücher bereits mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde.
Fazit:  Fesselnder vielschichtiger Roman, der einen sogähnlich ins Geschehen katapultiert, so dass die Seiten nur so dahin fliegen! An diesem Roman kommt man einfach nicht vorbei, also unbedingt lesen!
Read More