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Gerit Bertram: Die Tochter des Medicus

Nachdem ich mit Begeisterung vor geraumer Zeit „Das Lied vom schwarzen Tod“ von Gerit Bertram gelesen habe, hat mich der jetzt erschienene historische Roman „Die Tochter des Medicus“ wieder ganz schnell gefangen genommen.
Spielte „Das Lied vom schwarzen Tod“ nur in der Vergangenheit, ist dem Autorenduo (Iris Klockmann und Peter Hoeft = Gerit Bertram) bei diesem Buch der Sprung von der Jetztzeit in die Vergangenheit und zurück, durch einen geschickten Schachzug wunderbar gelungen:
Durch eine Erbschaft bekommt Gideon Morgenstern, der in Triest lebt und arbeitet, die Möglichkeit sich mit seiner Herkunft bzw. mit seinen Vorfahren zu beschäftigen.
Er ist durch den frühen Tod seiner Eltern beim Großvater in Deutschland aufgewachsen. Doch bald schon geraten die beiden wegen gegensätzlicher Ziele aneinander, denn Gideon sträubt sich vehement gegen den Wunsch seines Großvater, die Familientradion fortzusetzen und Mediziner zu werden. Auch Hebräisch, die Sprache seiner jüdischen Vorfahren lernt er nur mit wenig Begeisterung.
Vor dem  Tod des Großvaters  bestand kein enger Kontakt mehr und deshalb ist das bevorstehende Erbe auch eine Herausforderung für ihn.
Bei der Testamentseröffnung teilt ihm der Justitiar mit, dass er das Haus des Großvaters nur unter einer Bedingung erbt, nämlich einen großen alten Koffer für immer aufzubewahren.
Nachdem Gideon sein altes Leben in Triest hinter sich gelassen hat und in das renovierte geerbte Haus einzieht, öffnet der den alten sperrigen Koffer, der vergilbte Fotographien und neben anderen Gegenständen auch einige in hebräischer Sprache verfasste Büchlein beinhaltet.
Neugierig geworden, was dort aufgeschrieben steht, holt er sich Hilfe von Paula, einer Studentin, die für ihn die – wie sich schnell herausstellt – alten Tagebücher aus dem Jahr 1519 übersetzt und beide sind bald von der Geschichte der jungen, anfangs zwölfjährigen, Alisah fasziniert:
Es ist die Lebensgeschichte einer frühen Vorfahrin von Gideon. Als Kind muss sie miterleben wie ihre ganze Familie, weil sie Juden sind, aus Regensburg vertrieben wird. Neben diesen schwierigen Zeiten ist aber auch ihr Berufswunsch als Ärztin – oder wie man früher sagte Medica – zu arbeiten, eine große Hürde, die sie aber unbedingt nehmen will, denn schon als junges Mädchen ist sie wissbegierig und begleitet ihren Vater zu Kranken und assistiert ihm…..
Mehr darf man nicht verraten von dieser spannenden Zeitreise, die man hier mit Gideon und Paula unternimmt, denn dazu ist sie zu lesenswert und interessant. Man erfährt nicht nur von den schwierigen Lebensumständen, sondern man staunt auch wie weit die Medizin zu der damaligen Zeit schon gediehen war. Das Buch liest sich flüssig und das Schwenken von gestern zu heute und zurück ist wunderbar gelungen. Mir hat dieser Roman, der mit historischen Figuren angereichert ist,  gut gefallen und bewiesen, wie spannend es sein kann, wenn man Ahnenforschung betreibt!
Fazit: Spannende bewegende Zeitreise, bei der man aus der Gegenwart ins Jahr 1519 versetzt wird, um an einer bewegenden Lebensgeschichte teilzunehmen! Sehr lesenswert!

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