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Stephan Bartels: Vatertage

Heyne Verlag

Eigentlich bekommt man mit dem Buch „Vatertage“ gleich zwei Geschichten in einem Buch erzählt, zwar verbinden die sich im Verlauf, aber dies nur so am Rande gleich mal vorweg.
Der Prolog beginnt am 31.08.1968, wo man die junge Jarmila Havlicekova kennenlernt, die sich auf dem Weg von Prag nach Hamburg befindet. Jarmila erzählt von ihrer großen Liebe, dem deutschen jungen Mann mit Namen Michael Petersen und weswegen sie sich auf den Weg nach Deutschland macht….
Dann kommt ein Zeitsprung und man landet im Jahr 2008 als Simon Havlicek ganz unvermittelt ein amtliches Schreiben zugestellt bekommt, worin ihm das Sozialamt mitteilt, dass er knapp 700 EUR Pflegebeteiligung für seinen Vater Michael Petersen zahlen müsse. Das prekäre an diesem Schreiben ist, dass Simon seinen Vater gar nicht richtig kennt bzw. er hat noch nie ein Wort mit ihm gewechselt und nun soll er für seine Pflege aufkommen. So ein großer Betrag liegt gar nicht im Budget von Simons Familie mit zwei kleinen Kindern…
Ein Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter des Sozialamtes erbringt auch keine Aussicht auf Besserung, nur den Aufenthaltsort seines Vaters erfährt er und dass er noch zwei Halbgeschwister hat, die sich allerdings an den Kosten nicht beteiligen könnten….
War das amtliche Schreiben schon ein Schock, ist er total sprachlos als er das Wort Geschwister hört, denn bis dato wusste er von ihnen nichts….
Wie die Geschichte weitergeht, erzähle ich hier nicht, nur noch ein kleiner Hinweis:
In der Ankündigung des Buches stand „Lachgarantie“ und ich muss sagen, zu Lachen hat Simon hier erst einmal nichts. Er macht zwar das Beste aus der ganzen Situation, er engagiert sich, setzt alle Hebel in Bewegung um eine Lösung zu finden, aber auch das alles hat bei mir nicht die Lachmuskeln aktiviert. Vielmehr bekommt man hier eine doch recht tragische Lebensgeschichte eines Mannes erzählt, die einst so romantisch im Jahr 1968 mit der Begegnung von Jarmila und Michael begann. Das Buch liest sich flüssig, ist ein realistischer Blick in die heutige Zeit und ist gut nachvollziehbar, aber für mich eben eher eine Lebensgeschichte, die zwar ganz unterhaltsam ist, aber keineswegs von Humor nur so strotzt, sondern eher zum Nachdenken anregt.
Fazit: Aus zwei Handlungssträngen wird im Verlauf eine doch recht tragische Lebensgeschichte, die unterhaltsam ist, aber mich eher nachdenklich gemacht hat, als zu Lachsalven animierte.

 

 

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Elisabeth Herrmann: Versunkene Gräber

Versunkene Graeber von Elisabeth Herrmann

Die Geschichte beginnt mit einem Liebesbrief von einem Walter an eine Rosa. Der Brief ist auf Johannishagen 1945 datiert. Im weiteren Verlauf  werden immer wieder Briefe von Walter zwischendurch in die eigentliche Handlung eingewoben und bald erschließt sich auch dem Leser, was es mit diesen Briefen auf sich hat….
Berlin, zur Jetztzeit: Joachim Vernau sitzt mit seinem Freund und Anwaltskollegen Sebastian Marquardt in einem Lokal beim Essen. Dort kommt eine junge gutaussehende Frau auf die beiden zu. Sie will überraschender Weise zu Joachim Vernau und stellt sich als Zuzanna Markowska, Anwältin aus Polen, vor. Sie hat nur eine Frage: Wo ist Marie-Louise Hoffmann?
Die polnische Anwältin will mit der Sprache nicht so richtig heraus warum sie Marie-Louise eigentlich sucht und hinterläßt nur ihre Visitenkarte und die dringende Bitte, dass Marie-Louise sich umgehend bei ihr melden soll..
Nach einigem Hin- und Her steht fest, dass Vernaus Ex-Partnerin und Kollegin Marie-Louise, die er mittlerweile zwei Jahre nicht gesehen und gesprochen hat, nirgends auffindbar ist. Niemand kann sagen, wo sie sich aufhält bzw. kann Kontakt zu ihr herstellen.
Nachdem Vernau sich selbst davon überzeugt hat, dass Marie-Louise wie vom Erdboden verschwunden ist,  fährt er kurzerhand nach Polen um noch einmal mit der Anwältin Markowska zu sprechen.
Dort angekommen unterbreitet ihm  Zuzanna Markowska, wer ihr aufgetragen hatte, Marie-Louise ausfindig zu machen. Es ist niemand anders als sein guter alter Freund und Automechaniker Jazek Zielinski, denn der sitzt wegen Mordverdachts seit kurzem im Gefängnis. Seine Kooperation gegenüber seiner ihm zugeteilten Anwältin ist nicht sonderlich gut, aber er beteuert seine Unschuld.
Nachdem Joachim Vernau diesen Schock verdaut hat, macht er sich auf die Suche nach Marie-Louise, denn die soll in der besagten Tatnacht bei Jatzek gewesen sein…..
Mehr kann und darf man hier nicht verraten,  nur noch soviel: Die erste Spur auf der Suche nach Marie-Louise Hoffmann führt tatsächlich über „Versunkene Gräber:“, dann zu einem Weinberg und nicht zuletzt zu einer geschichtsträchtigen Vergangenheit, die hier geschickt in die Handlung eingewoben wurde.
Am Ende des Buches erzählt die Autorin, wie sie bei einer Polenreise auf die Idee zu diesem zum Teil unheimlichen, aber nicht weniger fesselnden und sehr spannenden Krimi gekommen ist.
Fazit: Unheimliche und spannende Kriminalgeschichte, die geschickt mit einem geschichtlichen Hintergrund kombiniert wurde, so dass man das Buch kaum aus den Händen legen kann.

Versunkene Graeber von Elisabeth Herrmann

Den Kriminalroman „Versunkene Gräber“ gibt es auch als vollständige Lesung  auf zwei MP3-CD’s. Max Hopp werden viele Zuhörer bestimmt an seiner markanten Stimme erkennen, denn er ist ja auch ein bekannter Schauspieler.  Leider hat er die Gesichte, die durch den Schreibstil der Autorin durchaus bildhafte Züge hat,  wirklich nur vorgelesen. Ohne Namen zu nennen, kenne ich andere Vorleser von Kriminalromanen, die durch Modulation der Stimme die Handlung richtig lebendig werden lassen, was ich hier bei den über 14 Stunden Spielzeit leider vermisst habe.
Fazit:  Schade, bei der Vertonung hätte man mehr aus der Geschichte herausholen können
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Henning Mankell: Mord im Herbst

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Da haben alle Wallander-Fans Krokodil-Tränen geweint, weil ihr Lieblingskommissar in Rente gegangen ist und nun taucht kurz vor Weihnachten das Buch „Mord im Herbst“ in den Buchläden auf und es ermittelt in einem bisher nicht veröffentlichten Fall: Kurt Wallander! Da kann man natürlich nicht widerstehen und ist ganz gespannt auf die Handlung:
Es ist eine Kriminalgeschichte, die ins Jahr 2002 führt und Kommissar Wallander nun bereits seit über 30 Jahren  im Dienst der schwedischen Polizei steht.  Sein Gemütszustand ist leicht depressiv und er fühlt sich ausgelaugt. Seine Tochter Linda wohnt bei ihm und arbeitet bereits mit ihm zusammen auf demselben  Revier. Kurt träumt seit einiger Zeit von einem Häuschen auf dem Land. Ein Kollege von ihm gibt ihm einen Hausschlüssel damit er sich ein zum Verkauf stehendes Haus ansehen soll.     
Nach der ersten Innenbesichtigung ist Kurt schon ganz angetan von dem Gebäude und dann geht er in den Garten, wo er über etwas stolpert, sich aber nicht weiter darum kümmert, denn er überlegt schon ob er sich dies Häuschen auch leisten kann. Als er sich gerade ins Auto setzen will, dreht er noch einmal um und geht zurück zu der Stelle, wo er gestolpert ist.  Was anfangs wie ein Ast aussieht, entpuppt sich beim näheren Betrachten als eine skelettierte menschliche Hand.
Nun ist auf einmal die Seifenblase vom Haus im Grünen vorerst geplatzt, denn der ganze Garten wird  von der Spurensicherung und dem Bergungsteam bevölkert, die dann auch den restlichen Teil des  Skeletts finden.  Es handelt sich um die Überreste einer Frau, die bereits mehrere Jahrzehnte hier vergraben lag, das ergeben die Untersuchungen.
Aufwendige Recherchen beginnen, wer die Frau sein könnte. Die Vermisstendatenbanken geben nicht viel her und die meisten Zeitzeugen leben im Altenheim oder haben keine Erinnerung mehr daran, was wohl dort im Garten geschehen ist.
Ein ehemaliger Kollege Wallanders, der mittlerweile in einem Altenheim lebt, meldet sich überraschend bei ihm  und er kann ihm hilfreiche Hinweise geben, die die Ermittlungen voranbringen……
 Mord im Herbst von Henning Mankell
Parallel zum Hardcover ist auch das Hörbuch „Mord im Herbst“, passend besetzt als Vorleser mit Axel Milberg, der ja bereits  einige Bücher von Henning Mankell vorgetragen hat, erschienen. Axel Milberg schafft allein mit seiner Stimme  eine unheimliche Spannung aufzubauen, die das ganze Hörbuch hindurch anhält.
Zwar ist dies kein spektakulärer Fall und wenn es nach mir ginge, hätte die Handlung ruhig noch etwas umfassender sein können, denn wenn Kurt Wallander ermittelt und Axel Milberg dann die Geschichte vorträgt,  kann man als Krimi-Fan nicht genug bekommen.
Fazit: Ein neuer Fall für Kurt Wallander, an dem keiner vorbeikommt!

 

 

 

 

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Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

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Allan Karlsson wird bald 100 Jahre alt. Bis vor kurzem hat er noch allein mit seinem Kater Molotow in einem eigenen Haus gelebt, doch jetzt hat man ihn in einem Altenheim untergebracht. Was war geschehen?
Nun, der Fuchs war auf Molotow aufmerksam geworden und eines schönen Tages hat er ihn sich geholt. Allan ist sauer und er will dem Fuchs das nicht durchgehen lassen und er holt eine Ladung Dynamit (er ist schon seit dem 13. Lebensjahr Sprengstoffexperte!), die er am Hühnerhaus anbringt.  Doch in seiner Wut hat er vergessen, dass er neben dem Hühnerhaus seinen gesamten Sprengstoffvorrat eingelagert hat…
Es gibt einen lauten Knall und das Hühnerhaus und sein Wohnhaus fliegen in die Luft.
Da man auf die Schnelle keine Unterkunft für ihn findet, quartiert man ihn auf Kosten des Sozialamtes im besten Hotel am Platze ein. Doch das war nur vorübergehend und sein neues Domizil ist nun das Seniorenheim. Doch dort gibt es für Allan zu viele Vorschriften und Verbote. Sein Wunsch war es jetzt nur noch zu sterben! Doch damit klappte es in den kommenden Monaten nicht. Aber am schlimmsten sind für ihn die Vorbereitungen zu seinem 100. Geburtstag mit allem Drum und Dran einschließlich dem Besuch des Stadtrats und der lokalen Presse. Doch begaffen lassen wollte sich Allan nicht und so macht er sich klammheimlich aus dem Staub…
Es dauert nicht lange und bei allen Polizeidienststellen in der näheren Umgebung wird Allan als vermisst gemeldet.
Doch Allan interessiert das alles nicht und er macht sich mit seinem letzten Geld auf zum Busbahnhof. Als er auf den Bus wartet, kommt ein komischer Typ mit einem Koffer auf ihn zu und fragt ihn, ob er auf seinen Koffer aufpassen könne, da er die Toilette aufsuchen wolle.
Allan steigt samt Koffer in den Bus und fährt davon und einer aufregenden Zeit entgegen, denn im Koffer ist viel Geld und es dauert nicht lange und Leichen pflastern seinen Weg!
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist jetzt im Hörverlag als Hörspiel erschienen.  Matthias Habicht, Walter Renneisen, Charly Hübner und Marion Breckholdt haben u.a. die Vertonung übernommen. Vom HR-Rundfunkorchester wird alles musikalisch untermalt. Die Einblicke in Allan bewegtes Leben bekommt der Zuhörer wie früher im Kino vor dem Hauptfilm in einer Art „Fox tönenden Wochenschau“ eingeblendet.
Dies ist mal eine andere interessante Art einem humorvollen Krimi zu lauschen.
Fazit: Krimierlebnis der besonderen Art
 
 

 

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