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Arnaldur Indridason: Graue Nächte

Lübbe

Fall Nr. 3 für den isländischen Kriminalkommissar Flóvent und seinem Kollegen Thorson von der Militärpolizeit, die im Jahr 1943 zusammen in Reykjavik in zwei Todesfällen ermitteln.
Anfangs wird man in „Graue Nächte“ Zeuge einer schwierigen Schiffspassage während des 2. Weltkriegs, denn es ist das letzte Schiff, dass 1941 von Dänemark nach Island unterwegs ist und Menschen zurück in ihre Heimat bringt…
Ereignisse, die während dieser Schiffsreise stattfinden, werden dann zwei Jahre später im Verlauf der Ermittlungen von Flóvent und Thorson aufgearbeitet und viele Menschen, die damals an Bord waren müssen befragt werden, denn  einer der damaligen Passagiere liegt im aktuellen Geschehen tot am Strand. Anfangs geht man davon aus, dass er freiwillig ins Wasser gegangen ist. Nur einer ganz genauen Leichenschau ist es zu verdanken, dass Flóvent dann in Sachen Mord ermitteln muss, was dann im Zuge dessen auch zu der besagten Schiffspassage führt….
Eine Kneipe, die gern von Soldaten besucht wird, rückt dann in einem weiteren Todesfall in den Fokus von Ermittlungen. In unmittelbarer Nähe dieser Lokalität wird ein junger Soldat  brutal ermordet aufgefunden, so dass Thorson seine Arbeit aufnimmt und in seinem Umfeld recherchiert.
Da die Identität des jungen Soldaten anfangs nicht zu ermitteln ist, da kein Militärangehöriger vermisst wird, erfährt man im Zuge der Befragungen auch, dass eine junge Frau, die oftmals mit Soldaten gesehen wurde, vermisst wird…
Beide Kommissare führen akribisch ihre Befragungen durch und lassen auch nicht locker wenn es um heikle Themen geht. Und besonders Thorson muss jemandem mit seiner Fragerei zu nahe gekommen zu sein, denn in einer Nacht- und Nebelaktion wird er in seiner Unterkunft überfallen und verschleppt….
Erneut schafft es Arnaldur Indridason  von der ersten Seite an eine unheilvolle, düstere Atmosphäre aufzubauen, die nebulöse Ungewissheit hält das gesamte Buch über an und durch die im Verlauf doch rechts lebensgefährlichen Situationen, in die die Ermittler geraten, bleibt der Spannungsbogen bis zu Letzt erhalten.
Wie gewohnt, berichtet er in seinem ganz besonderen, ruhigen Erzählstil über menschliche Schicksale, die dann wie in diesem Buch auch noch durch die Kriegswirren verkompliziert werden, aber durch die unterschiedlichen Perspektiven/Schilderungen sehr gut nachvollziehbar werden.
Zwar hatte ich im Verlauf der Handlung eine gewisse Ahnung, was in einem Fall passiert sein könnte,  doch letztendlich die Auflösung war dann doch ganz anders, als gedacht.   
Was soll ich noch schreiben, ich bin seit dem ersten Buch, was ich von Arnaldur Indridason gelesen habe – und das ist jetzt schon einige Jahre her – ein ganz großer Fan von seinem unvergleichlichen Erzählstil und seinen oftmals düsteren, aber immer wieder aufs Neue spannenden, fesselnden und unbedingt lesenswerten Kriminalgeschichten!
Fazit: Als Fan dieses Autors kann ich seine unvergleichlichen Bücher nur empfehlen, was ich auch in diesem Falle wieder gerne tue und auf weitere Spannungsliteratur von ihm hoffe!
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Arnaldur Indridason: Der Reisende

Lübbe

Als ich die ersten Seiten dieses Buches gelesen hatte, kamen mir die beiden Ermittler –  Flóvent von der Reykjavíker Polizei und Thorson, dem kanadischen Militärangehörigen mit isländischen Wurzeln – irgendwie bekannt vor.
Tatsächlich entdeckte ich sie in „Schattenwege“, einen spannenden Thriller der bereits 2016 in Deutschland erschienen war und den ich hier auch vorgestellt hatte. Allerdings war der damalige Fall zeitlich später angesiedelt als „Der Reisende“ und die aktuelle Handlung somit der erste Einsatz der beiden Ermittler:
Mitten im 2. Weltkrieg sind viele britische und amerikanische Soldaten auf Island stationiert, weswegen Thorson von seinen Vorgesetzten den Auftrag erhält bei den Ermittlungen eines Mordfalls die isländische Kriminalpolizei zu unterstützen.
Flóvent bearbeitet den heimtückischen Mord an einem Handlungsreisenden. Durch einen Kopfschuss ist nicht mehr viel vom Gesicht über, die Polizei vermutet aber, dass es sich um den Mieter der Wohnung Felix Lunden handelt, da man den Toten im Eingangsbereich der Wohnung aufgefunden hat. Da der tödliche Schuss offenbar aus einer Militärwaffe abgefeuert wurde, soll Thorson am Fall mitarbeiten, aber auch als Verbindungsglied zwischen den Einheimischen und den Besatzermächten fungieren…
Bei der Durchsicht der Wohnung und der „Arbeitstaschen“ des Toten wird eine kleine gefüllte Kapsel gefunden, deren Inhalt sich als brisant herausstellt und die Frage aufwirft, ob das Mordopfer für Deutschland spioniert hat….
Während mühseliger Kleinarbeit im Umfeld des Getöteten, wendet sich dann das Blatt, was erneut die Ermittlungen in eine andere Richtung schwenken lässt und nun auch eine Beziehungstat aus Eifersucht in Frage kommt…
Der Autor schafft es durch seinen besonderen ruhigen Erzählstil, der auch diesmal wieder eine „kleine Geschichtsstunde über Island“ beinhaltet, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln und durch einige Schwenks die Handlung immer wieder in eine andere Richtung laufen lässt, so dass der Spannungsbogen bis zum Schluss erhalten bleibt.
Besonders die akribische Art wie die beiden Ermittler nur durch Gespräche mit vielen Personen der Lösung des Falls Stück für Stück näher kommen, hat mir gut gefallen. Selbst dem kleinsten Hinweis gehen sie unbeirrbar nach, was nie langweilig/-atmig ist, sondern diesen spannenden, nicht vorhersehbaren Krimi ausmacht! Toll!
Fazit: Spannend konstruierter, nebst kleiner „Geschichtskunde“ fesselnd erzählter, gut gelungener Kriminalroman!

 

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Arnaldur Indridason: Schattenwege

Ich kann sagen, ich habe bis jetzt alle in Deutschland erschienenen Krimis des isländischen Autors gelesen oder gehört und ich bin immer wieder begeistert von den spannenden Geschichten aus seiner Feder. Sein Erzählstil ist flüssig, anschaulich, nie langweilig und die Ermittler sind sehr ausdauernde und akribisch arbeitende Menschen, die jedem auch nur kleinsten Hinweis nachgehen um den Kriminalfall zu lösen und wenn es Jahre dauert – wie hier in „Schattenwege“ um den Täter zu überführen und dingfest zu machen. Viele Bücher von Arnaldur Indridason sind bereits verfilmt, wie z.B. die Kommissar-Erlendur-Krimis!
Die Gesamthandlung von „Schattenwege“ setzt sich aus zwei Zeitebenen zusammen, wo jeweils ein Kriminalfall stattfindet und die nebeneinander erzählt werden.  Jeder für sich ist schon interessant und spannend und man hat keine Schwierigkeiten von 1944 in die Jetztzeit und zurück zu wechseln. Neben der Krimi-Handlung schildert der Autor eindrucksvoll die Lebensumstände in Kriegszeiten mit amerikanischen Soldaten, die in Reykjavik stationiert sind. Auch gibt er Einblick in die isländische Sagen- und Mythenwelt und verbindet dann dies als Beiwerk zu einem sehr spannenden Buch, das ich kaum aus den Händen legen konnte, so fesselnd ist es geschrieben.
1944 findet ein Liebespaar, das sich aus einer isländischen Frau und einem amerikanischen Soldaten zusammensetzt, während eines Stell-dich-eins in der Nähe des Nationaltheaters die Leiche einer Frau, die wie sich später herausstellt, erdrosselt wurde. Sie verständigen aber auf Drängen des Mannes nicht die Polizei, sondern flüchten vom Fundort. Sie werden dabei beobachtet und so geraten sie unter Verdacht etwas mit dem Tod der Frau zu tun zu haben. Der isländische Polizist Flóvent wird daher von einem amerikanischen Militärpolizisten mit Namen Thorson bei den Ermitttlungen unterstützt…..
In der Jetztzeit wird in seiner Wohnung ein alter Mann tot aufgefunden. Alles deutet auf den ersten Blick daraufhin, dass er während des Mittagsschlafes verstorben ist, doch die Obduktion bringt dann etwas zu Tage, dass daraus ein Mordfall wird…..
Die Identität des Mannes stellt sich schnell raus, sein Name ist Thorson und in seiner Wohnung findet man Zeitungsausschnitte über den oben geschilderten Mordfall…..
Es handelt sich hier tatsächlich um den ehemaligen Militärpolizisten Thorson, der den Fall der ermordeten jungen Frau untersucht hat…. Warum wurde er ermordet?
Nun, dass sollte jeder selbst herausfinden, denn ich kann dieses spannende Buch nur jedem Krimi-Liebhaber empfehlen.
Fazit: Arnaldur Indridason ist ein sehr guter Geschichtenerzähler, der genau weiß wie er seine Leser fesseln kann, so dass man das Buch nicht mehr aus den Händen legen mag und die Seiten nur so dahinfliegen! Diesen Island-Krimi kann ich nur empfehlen!
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