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Bernd Mannhardt: Der Hamlet und die Schokolinse

 

Schardt-Verlag

Ich finde es immer wieder spannend und unterhaltsam in das Leben anderer Menschen Einblick zu erhalten.
Bernd Mannhardt, dessen Bücher ich hier bereits mehrfach vorgestellt habe, wie z.B.  den Kriminalroman „Giftzwerg“ und den ich für seinen schwarzen Humor schätze, ist nun hinabgetaucht in seine Kindheit und lässt sie für den geneigten Leser in „Der Hamlet und die Schokolinse“ Revue passieren:
Man erfährt, dass er als „Dreikäsehoch“ regelmäßig bei seinen Großeltern „geparkt“ wurde, was auch Ausgangspunkt für alle sechs hier enthaltenen Kapitel ist.
Ob nun die Großmutter ihren Kochkünsten frönte und Eintöpfe in vielerlei Variationen kochte oder die Spaziergänge mit dem Großvater zum Ku’Damm oder zum Frisör –  wo der sonst eher wortkarge „Steppke“ erstmals seinen Willen kundtut und gegen den Vorschlag des Großvaters rebelliert, als er das Wort „Fassonschnitt“ hört – , es sind die kleinen Dinge des Lebens, die hier Beachtung finden und humorvoll aufgeschrieben wurden.
Der Leser lernt Hamlet kennen, taucht ein in die Anfänge der Fernsehausstrahlungen und erinnert sich vielleicht auch selbst daran als der kauzige Festus in den „Rauchenden Colts“ Einzug ins Wohnzimmer nahm.
Der Autor sinniert und rekapituliert seine Erinnerungen an die Lausbubenstreiche in der Schule,  wandelt auf den Straßen der ehemaligen Wohnbezirke in Berlin, wo er manches noch am „alten Fleck“ vorfindet, aber auch im Laufe der Jahre viele Veränderungen stattgefunden haben…
Man liest von den ersten Gehversuchen als Musiker und Sänger in der Schule, dann als Duo, als Texter von Liedern und Autor von Hörspielen bis er dann zum Krimi-Autor avancierte…
Ich bin gern abgetaucht in die beschriebene Zeit, konnte Parallelen entdecken, oftmals schmunzeln, lachen und auch schwarzen Humor entdecken und es gab auch den einen oder anderen „Ach-Ja-Effekt“, wenn ich daran denke wie schnell die Zeit der Kindheit verflogen ist!
Fazit:  Autobiographische Zeitreise – gekonnt humorvoll in Szene gesetzt!
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Bernd Mannhardt: Giftzwerg

Den wohlbeleibten Ermittler Kriminalhauptkommissar Freisal und seine Kollegin Yasmine Gutzeit, die in Berlin auf Verbrecherjagd gehen, „kenne“ ich schon etwas länger: Sie ermittelten einst in der Krimi-Kurzgeschichte „Alex liest vor“, die man in „Du kommst mir gerade richtig“ nachlesen oder sich von Ernst Mathias Holzmann in der Hörbuchfassung „Mordsalibi“ vortragen lassen kann.
Nun ist im be.bra-Verlag ihr neuer Fall erschienen: In einer Laubenpiperkolonie oder auf hochdeutsch Kleingartenanlage in Berlin-Moabit wird die Leiche eines älteren Mannes gefunden. Ein anonymer Anruf hatte die Polizei alarmiert. Zwar hatte der Tote offensichtlich zu Lebzeiten schon Schwierigkeiten mit seiner Atmung und benötigte ein entsprechendes medizinisches Hilfsmittel,  aber ganz besonders auffällige Male im Bereich des Halses lassen den Kommissar vermuten, dass hier jemand „nachgeholfen“ hat und es sich nicht um eine natürliche Todesursache handelt…
Nachdem der Getötete als Horst Kessler identifiziert wurde und die beiden Ermittler von mehreren Seiten keine netten Sachen über ihn erfahren haben, kommen eigentlich als Tatverdächtige alle Mitglieder der Kleingartenanlage in Frage, denn Kessler alias der „Giftzwerg“ hatte nicht nur an allem oder jeden etwas rumzumeckern, sondern lies die Gemüter immer wieder hochkochen, sei es nun wegen eines zu großen Baumhauses oder tierischer Hinterlassenschaften, die angeblich in großen Mengen vor seiner Gartenpforte platziert wurden….
Aber nicht nur die Gartennachbarn waren nicht gut auf ihn zu sprechen, auch der Sohn des Toten ist nicht gerade zu Tränen gerührt, als er vom Ableben seines Vaters erfährt.  Da schon in der Gegenwart reichlich böses Blut geflossen ist, wird es beim Blick in die Vergangenheit von Horst Kessler nicht besser und so haben Freisal und Gutzeit reichlich viel zu tun um diesen kniffligen Fall aufzulösen….
Es macht einfach Spaß diese beiden doch sehr unterschiedlichen Ermittler-Charaktere bei der Arbeit zu begleiten. Wie ein „altes Ehepaar“ geben sie  sich in den Gesprächen Paroli, lösen aber als „eingespieltes Team“ diesen nicht auf den ersten Blick durchschaubaren/lösbaren Fall. Den Berliner-„Slang“ höre bzw. lese ich sehr gern und ich konnte mir die „Typen“, die hier befragt werden, richtig gut vorstellen. Auch der schwarze Humor hat wieder seinen Platz in diesem Krimi gefunden: Schon allein die Lage der Kleingärten nebst Friedhof lässt einen die Nackenhaare hochstehen, ist aber eine gut ausgesuchte „Kulisse“ für diesen wunderbar gelungen und lesenswerten Krimi!
Fazit: Ein gut gezeichnetes Ermittler-Duo, ein kniffliger Fall, ganz viel Lokalkolorit und reichlich schwarzer Humor ergeben zusammen volle Punktzahl für diesen gelungenen Krimi! Bitte mehr davon!

 

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Bernd Mannhardt: Herr Schreiber blockiert

Wie der Titel des Hörbuchs schon suggeriert, geht es hier um die Schreibblockade eines Schriftstellers.
Da ich gefühlt rund um die Uhr lese, staune ich immer wieder darüber, wie es Autoren/innen gelingt spannende, humorvolle und vor allen Dingen, flüssig lesbare Texte zu verfassen. Wenn ich mich da an meine Schulzeit zurück erinnere und an die Aufsätze denke, die man dort abfassen sollte, die einen thematisch überhaupt nicht lagen, so dass man sich regelrecht einen Text „abgestottert „ hat, da kann ich gut nachempfinden, dass „Herr Schreiber blockiert“…..
Obwohl, wenn man dem Vorleser (Matthias Ernst Holzmann) hier so zuhört, dann ist der Herr Schreiber gar nicht so blockiert, nein er sinniert eher herum, erzählt dies und das, mal dringt er tiefer in ein Thema ein, mal verzweifelt er fast oder es lugt plötzlich böser Humor hervor…..
Um überhaupt etwas zu Papier zu bringen, begibt Herr Schreiber sich z.B. in den Tierpark um am Pavian-Gehege zu verweilen, was ihn allerdings dann auch nicht sonderlich inspiriert, obwohl er anscheinend schon des Öfteren hier auf eine zündende Idee gehofft hat, denn er kennt die Tiere schon beim Vornamen….
Er lässt seine Gedanken schweifen und er findet sich dann irgendwann in seiner Lieblingskneipe wieder um sich einen „Schluck“ zu genehmigen….
Man erfährt, dass das Schreiben für ihn nicht sonderlich einträglich und er mit den Mietzahlungen schon seit Monaten im Rückstand ist. Er wäre schon obdachlos, wäre da nicht seine Exfrau auf die er immer wieder zurückgreifen kann und die ihn „über Wasser hält“….
Wie bereits erwähnt hat erneut Matthias Ernst Holzmann – wie auch schon bei „Mordsalibi“ – mit seiner sonoren Stimme die Lesung übernommen. Der Text ist bereits vor einiger Zeit  im Sammelband „Spielverderber“ erschienen und wurde schon als Bühnenstück aufgeführt.
Die unterschiedlichen „Gedankengänge“ werden durch schmissige Musik kurz unterbrochen, was gut passt – verleitet es doch zum einen oder anderen Tanzschritt – .  Das unterhaltsame „Possen-Stück“ ist mit feinem Humor durchzogen und gibt anschaulich Einblick in die „Gedankenwelt“ eines engagierten, aber oftmals strauchelnden Schriftstellers, der übrigens die Ablehnungsschreiben seiner Werke zu einem wertvollen Leder-Ordner hat zusammenbinden lassen….
Fazit:  Wer feinen wortgewandten Humor liebt, ist hier genau richtig, wenn sich der Poet in seiner eigenen Gedankenwelt verliert…….
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Bernd Mannhardt: Mordsalibi

Diesen Krimi habe ich vor geraumer Zeit bereits gelesen, denn er stammt aus den „Mordfidelen Geschichten für quietschvergnügte Leser“ bzw. aus dem Taschenbuch mit TitelDu kommst mir gerade richtig!, das ich hier damals  auch vorgestellt hatte. 
Nun ist das passende Hörbuch mit dem Titel “Mordsalibi“ gelesen von Ernst Mathias Holzmann erschienen:
Inhaltsmäßig gibt es hier einen kleinen Einblick:
Während hochsommerlicher Temperaturen wird Berlin von einer Mordserie an jungen Frauen erschüttert. Kommissar Freisal und seine junge Assistentin Yasmin Gutzeit haben alle Hände voll zu tun um den Täter zu überführen.
Als die Ermittler dann endlich nach umfangreichen Recherchen u.a. im Internet jemanden zum Verhör einladen,  hat dieser dann allerdings ein Alibi….
Die ca. halbstündige Lesung ist teils mit Musik untermalt, die gut gewählt ist, da sie die Spannung noch steigert und mich an die „Straßenfeger-Krimis“ von früher erinnert hat, die auch tontechnisch verfeinert waren.
Die sonore Stimme des Vorlesers passt wunderbar zu dem beleibten Kommissar Freisal, der hier die Ermittlungen leitet und in der Sommerhitze den Mörder überführen muss.
Besonders wie der Mörder hier überführt wird und wie er völlig unbedarft in die Falle tappt, hat mir auch in der „Vertonung“ gut  gefallen, so daß ich mir durchaus weitere Fälle in diesem Stil gut vorstellen kann…
Fazit: Gelungene Krimi-Lesung,  die passend musikalisch untermalt und etwas schwarzhumorig angehaucht ist!

 

Weitere lesenswerte Bücher des Autors: „Spielverderber„,“Servus, Krimi!„,“Mordskohl

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Bernd Mannhardt: Du kommst mir gerade richtig!

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Mordsfidele Mordgeschichten für quietschvergnügte Leser
Nach einem einleitenden Vorwort des Autors findet man hier zehn Kurzgeschichten, aus denen der schwarze Humor nur so heraustropft:
Hier ein paar Beispiele:
Performance: Köhler hat einen hohen Frauenverschleiß: Einmal überdrüssig geworden hat er eine besondere Masche die Dame wieder loszuwerden, doch bei seiner letzten „Performance“ schießt er im wahrsten Sinne des Wortes über das Ziel hinaus…
Hoch hinaus: Roman Nagel ist mit Leib und Seele Bauingenieur, sein Privatleben existiert einfach nicht bzw. nur in Form seines kleinen Hundes Albert, den er über alles liebt. Nachdem er finanziell ausgesorgt hat, will er nun auch endlich eine Familie gründen und die Ehe mit Viola wird geschlossen. Doch die entpuppt sich als nicht das, was Roman sich unter einer treusorgenden Ehefrau verspricht und er will die Scheidung. Doch Viola will Geld und um ihre Forderung zu untermauern, entführt sie kurzerhand Albert…….
Sensible Geschäfte: Nadja Komorow  ist viel aus beruflichen Gründen unterwegs. Zufällig lernt sie in Rom einen Mann kennen, der sie einlädt die Blaue Grotte mal aus einer ganz anderen Perspektive kennen zu lernen…
I.N.A.: Dies ist die Geschichte eines Reporters, der auf der Suche nach Top-Stories bei Flaute im  Blätterwald selbst Hand angelegt um auf die Titelseiten zu kommen…
Alex liest vor: Die Polizei wird mit einer Mordserie an jungen Frauen in Atem gehalten. Nach umfangreichen Recherchen im Internet hat man dann endlich einen Verdächtigen, aber der hat ein Alibi mit Namen Silke. Doch so wasserdicht ist das Alibi nicht, denn die Dame hat eine Vorliebe für Webcams…
Besonders gut gefällt mir der  Schreibstil des Autors, der seine Figuren anfänglich völlig unbedarft und tapsig in Situationen hinein laufen lässt, aus denen sie meistens nicht mehr unbescholten herausfinden bzw.  durch eine kleine böse Wendung in der Handlung etwas Unvorhersehbares passiert….
Den Hauptakteuren aus diesen Geschichten sollte man am besten aus dem Weg gehen, bevor sie zu einem sagen: Du kommst mir gerade richtig!

 

Fazit: Schaurig schöne, bitterböse Kurzgeschichten, wunderbar geschrieben: Was blauäugig beginnt, wird schwarzhumorig gewandelt – und am Ende ist meist jemand tot

 

Auch empfehlenswert vom gleichen Autor: Servus, Krimi! Kein Thriller

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Bernd Mannhardt: Spielverderber

200

– Sechs böse Stücke –
Vier Dialoge und zwei Monologe zu unterschiedlichen Themen sind hier niedergeschrieben. Die Stücke wurden in den 90ziger Jahren als Hörspiele im Radio gesendet bzw. auf Theaterbühnen aufgeführt und zum Nachlesen nochmals in Buchform herausgebracht.
Die Texte haben es in sich und überall lauert böse der Humor, der erst das i-Tüpfelchen auf jedes Stück setzt und sich auch die Frage stellt: Wer ist denn nun der „Spielverderber„?
So begegnet man einem Notdienst habenden Apotheker, der zu später Stunde ein sehr nervenaufreibendes Telefongespräch führen muss und am Schluss schon fast selbst eine Pille für seine Nerven braucht….
Werksspionage steht im Raum und ein Mitarbeiter einer großen Firma wird zu einem Gespräch bei seinem Chef eingeladen, doch das läuft trotz psychologischer Unterstützung völlig aus dem Ruder …
Auf einer Berghütte kommt es zu einem Gespräch zwischen einem vor einem aufziehenden Gewitter ankommenden Wanderer und einem, der wohl schon geraume Zeit dort sitzt und wartet, doch die, auf die er wartet, die kommen einfach nicht und so öffnet er am Ende des Gespräches die Hüttentür und hat nur noch ein Ziel: Die Polizeiwache!
In einem Stück spielt gewissermaßen eine schöne Krawatte eine „tragende“ Rolle und am Ende quillt sehr Schwarz der Humor hervor und er verteilt sich im ganzen Buch und wirkt nach dem Lesen noch nach! 
Da die Texte schon im Radio und auf der Theaterbühne Anklang fanden, könnte ich mir sie auch gut im Fernsehen als Sketch vorstellen.
Fazit: Einfach klasse! Keiner ahnt wie böse die kleinen Geschichten doch meist enden!!
Wer schwarzen Humor liebt, der sollte auch ein Auge auf diese Bücher werfen:

Servus, Krimi!

Mordskohl

 

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