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Bernd Mannhardt: Servus, Krimi!

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Der bayrische Schriftsteller Franz-Xaver Stegmayer wird wegen einer anhaltenden Schreibblockade von seinem Verleger an die deutsche Nordseeküste, sprich Friedrichskoog Spitze, geschickt um die Gegend auf sich wirken zu lassen. Land und Leute sollen Inspiration für einen neuen Krimi sein.
Doch schon nach kurzer Zeit empfindet Stegmayer den Aufenthalt an der Küste als eine Art Strafversetzung, denn es ist ihm dort einfach zu „staad“ (still) und er hat große Schwierigkeiten mit der norddeutschen Mentalität, denn in seinen Augen wird oben an der Küste einfach zu wenig geredet und wenn dann auch nur das Nötigste.
In seiner Verzweiflung schreibt er einen anklagenden Brief an seinen Verleger und lässt den Leser an seinen Gedanken teilhaben, die ihm während seines Aufenthaltes so durch den Kopf gehen und so schwadroniert er von einem Thema zum anderen…..
Man erfährt, dass Franz-Xaver als Boxer Erfahrungen im Ring gesammelt hat, die ihm während eines Spaziergang auf den Deich hilfreich ist, denn die steife Briese hätte ihn fast ausgeknockt und nur durch seine kampferprobten Techniken kann er sich auf den Beinen halten…
Man sagt ja immer, wer eine Reise tut, der kann was erzählen, und das ist hier wunderbar gelungen!
Da ich bereits selbst das platte Land besucht habe und auch Friedrichskoog und das Wattenmeer gut kenne, hatte ich den tapsigen Bayern bald vor Augen und besonders seine Hilflosigkeit zwischen unzähligen Schafen konnte ich mir gut vorstellen. Man muss nur aufpassen, wenn man das Buch außerhalb liest und dann spontan zu Lachsalven ansetzt, dass man nicht merkwürdig beäugt wird!
Hilfreich waren für mich durchaus die „Übersetzungen bzw. Anmerkungen“ hinsichtlich der bayrischen Wortwahl. Ob der Bayer noch seinen Krimi geschrieben hat, bleibt hier überzählt!
Ich finde „S e r v u s, K r i m i ! “ ist eigentliche eine Liebeserklärung  an Dithmarschen/ Schleswig-Holstein, denn alles was der bayrische Protagonist als störend empfindet (z.B. die Ruhe), ist für viele Reisende eine willkommene Landschaft zum Relaxen vom hektischen Berufsleben und spricht für den Charme der Gegend.
Fazit: Wer noch Urlaubslektüre braucht, hier ist welche!
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Mordskohl

9783898416818

-Kurzkrimis aus Dithmarschen-  herausgegeben von Bernd Mannhardt
Dithmarschen liegt in Schleswig-Holstein. Und dort gibt es die Ditmarscher Kohltage, die zum Anlass genommen wurden um die bodenständigen Friesen einmal in ein anderes Licht zu setzen und ihr beliebtes Gemüse, das auf sehr vielen Äckern in dieser Region wächst, als Tatwerkzeug in Szene zu setzen.
14 Schriftsteller haben sich in diesem Buch versammelt und sie erzählen spannende kurze Kriminalgeschichten, die hinterlistig, böse und mörderisch sind und damit die beschauliche Gegend und ihre Bewohner in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.
Gleich die erste Geschichte mit dem Titel „Süderdeich“ von Georg Beining ist so geschrieben, dass man ins Gefühlsleben der Dorfbewohner  eintaucht und Einblick bekommt wie es doch manchmal hinter so gut dargestellter Fassade brodelt.
Die schöne Ferienregion an der Nordsee  wird nur am Rande beleuchtet und die Autoren erzählen  z.B. wie eine jahrelang immer zurücksteckende Ehefrau mit einer leckeren Kohlsuppe sich ihres Ehemannes entledigt. Oder wie sich Nachbarn bekriegen, wenn es darum geht wie die Grundstücksgrenze ihres Eigentums verläuft, dann kann schon mal Blut fließen…
Auch Geschichten um Liebe, die unerwidert bleibt, zu Hass wird oder zu Eifersucht führt,  sind mit Kohl vermengt worden und es wurden spannende kurzweilige Krimis daraus.
Bei der Schilderung so mancher Entsorgung der Mordopfer in Zusammenhang mit Kohl hatte ich dann eine leichte Übelkeit in der Magengegend, so bildhaft sind die Krimis geschrieben…
Dies soll  nur ein kleiner Einblick in die Geschichten von Anna Antony, Georg Beining, Tanja Binder, Hans Garbaden, Andrea Gerecke, Marianne Hahn, Nanette Jürgens, Lars Krombach, Urte Langer, Kerstin Schreiber, Antje Steffen, Anna-Ilse Wehner, Claudia Wenk und Petra Winter sein und Geschmack machen, sie selbst zu lesen.
Diese gewisse Schlitzohrigkeit,  trockener oder auch schwarzer Humor kombiniert mit der Eigenart der Friesen, die überall in den Geschichten eingewoben ist,  hat mir gut gefallen.  Auch wird stellenweise das friesische Platt in den Text mit eingearbeitet, was zu dem ganzen Buch sehr gut passt.
Besonders gut hat mir gefallen, das ich „Mordskohl“ überall mit hinnehmen konnte und bei passender Gelegenheit immer die eine oder andere Story lesen konnte und mir so mörderisch gut die Zeit vertreiben konnte.
Fazit: Kohl als Mordwaffe ist mal was anderes und wer feinen bösen Humor mag, ist hier genau richtig!
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