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Mein etwas anderer Florida Sommer

Ascot Elite VÖ 16.10.20 

Dieser britische Film basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von Joff Winterhart und ist schauspielerisch mit Monica Dolan und Earl Cave (übrigens sein Vater ist der Musiker Nick Cave) in den Hauptrollen toll besetzt.
Daniel Bagnold (Earl Cave) ist ein Teenager, der mit seiner Mutter Sue (Monica Dolan) nach der Trennung der Eltern zusammenlebt. Daniels Traum ist die Gründung einer eigenen Band, denn er ist – wie kleidungsmäßig unverkennbar – ein großer Heavy-Metal-Fan. Sein Leben ist eher trist, er hängt einfach nur rum und hadert mit seiner arbeitssamen, aber etwas bieder daherkommenden Mutter, die als Bibliothekarin ihr Geld verdient.
Um dieser Tristesse zu entfliehen, freut er sich schon auf seine anstehende Reise nach Florida, wo sein Vater mit seiner neuen, aber auch gerade schwangeren Ehefrau lebt….
Doch leider platzt diese schöne Seifenblase ganz schnell, denn wegen der bevorstehenden Geburt kann man Daniel zurzeit in Florida nicht brauchen und die Reise soll verschoben werden…
Ab nun beginnt erst richtig „Mein etwas anderer Florida Sommer“ und es gibt reichlich Wortgefechte zwischen der sehr bemühten Mutter und ihrem trübsalblasenden Sohn, der schon mal folgendes von sich gibt: „Es ist nicht meine Schuld, dass du die langweiligste Person der Welt bist“! Ganz schwierig wird es  dann für ihn, als er sich damit abfinden muss,  dass seine Mutter einen anderen Mann datet…
….aber trotzdem gibt seine Mutter nicht auf, ihrem Sohn einen schönen Sommer zu bereiten und sie fahren gemeinsam ans Meer. Auch wenn es lange dauert, wendet sich das Blatt und die beiden finden zueinander…
Feiner britischer Humor und ein tolles Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren machen diesen teils humorvollen, aber auch durchaus anrührenden Film sehenswert.
Besonders hörenswert ist auch der Soundtrack von „Belle und Sebastian“ der immer mal wieder im Filmgeschehen zu hören ist.
Fazit: Tolles schauspielerisches Zusammenspiel der Hauptfiguren, der einmal mehr diesen humorvollen, charmanten, aber auch nachdenklich machenden Film, sehenswert macht!
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The Florida Project

PROKINO VÖ 02.08.18

Auf geht’s nach Amerika, genauer gesagt nach Orlando in Florida, vor die Tore von Disneyworld.
Allerdings hat die pinkfarbene Wohnanlage des „Magic Castle Motels“ so gar nichts von der Märchenwelt, die man in Disneyworld vermutet. Das farbenfrohe Motel hat schon bessere Zeiten gesehen, genau wie seine Bewohner. In einem dieser Zimmer lebt die sechsjährige quirlige Moonee mit ihrer recht jungen Mutter Halley, die arbeitslos ist und daher mehr recht als schlecht für sich und ihre Tochter sorgen kann. So verbringt sie die meiste Zeit auf dem Zimmer vorm Fernseher mit einem Joint im Mund. Jeder Tag ist für sie eine Herausforderung, da sie kaum auf legale Weise Geld verdienen kann…

Die gute Seele der Motelanlage ist Hausmeister/Hotelmanager Bobby (Willem Dafoe), der  hat auf alles ein wachsames, aber auch immer wohlwollendes Auge.
Die kleine aufgeweckte Moonee ( (Brooklynn Prince) verbringt derweil ihre Zeit mit ihren kleinen Freund Scooty und anderen Kindern aus der Umgebung. Sie hecken Streiche aus, schnorren sich Geld bei den Touristen für ein Eis und sehen ihre kleine Welt als Abenteuerspielplatz an. So unbeschwert die Zeit für die Kinder auch zu sein scheint, so hart ist als Leben für die Erwachsenen, denn ohne Aussicht auf Arbeit ist es schwer für sie die Miete aufzutreiben, was Moonees Mutter dann zu Tätigkeiten an der Grenze der Legalität führen.  Zwar geht das einige Zeit gut, da Hausmeister Bobby sich immer wieder für sie engagiert und ihr aus dem einen oder anderen kleinen Dilemma heraushilft oder ein gutes Wort einlegt, aber die Lage spitzt sich dann dramatisch zu als das Jugendamt vor der Tür steht….
Dieser wunderbar gespielte und toll besetzte Spielfilm geht an Herz. Ganz besonders das Zusammenspiel zwischen Halley (Bria Vinaite) und ihrer kleinen Tochter ist wunderbar, denn trotz der ganzen sozialen Probleme kämpft sie wie eine Löwin für Moonee als es hart auf hart kommt!
Ein ganz besonderer Lichtblick in dieser Welt am Rande des Existenzminimums ist Hausmeister Bobby, für dessen Rolle Willem Dafoe zu Recht für den Oscar nominiert wurde!
Den Filmschaffenden ist hier der Spagat gelungen, der einerseits die harte und schonungslose Welt der Erwachsenen mit ihren sozialen Problemen aufzeigt. Auf der anderen Seite sieht man die Welt aus Sicht der Kinder, die sich in den leerstehenden Häusern in der nähren Umgebung und auf dem Areal des Motels einen Abenteuerspielplatz geschaffen haben, wo sie sich wohlfühlen und Freundschaften geschlossen haben.
Der Film „The Florida Project“ gibt einen ungeschönten Einblick in die Welt am Existenzminium, in deren Dunstkreis sich die Kinder ihre Wohlfühlwelt geschaffen haben, der sie für kurze Zeit vor der Härte des Lebens beschützt, was hier anrührend wie eine Seifenblase durch die Handlung schwebt, bis sie platzt!
Fazit: Ein sehenswerter Spielfilm, der berührt, aufrüttelt und besonders durch die charmanten kleinen Darsteller ans Herz geht und mit einem ganz besonderen Hausmeister/Hotelmanager punkten kann!

 

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Joel Dicker: Die Geschichte der Baltimores

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Im September 2013 habe ich das erste in Deutschland erschienene Buch von Joel Dicker „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ mit Begeisterung gelesen und darüber hier berichtet.
Nun gibt es einen neuen Roman mit dem Titel „Die Geschichte der Baltimores“ und erneut hat  Joel Dicker ein von der ersten Seite an fesselndes und spannendes Buch geschrieben. Es geht um die Familiengeschichte des erfolgreichen Schriftstellers Marcus Goldman, der auch im ersten Buch eine wichtige Rolle gespielt hat. Doch man muss es nicht zwangsläufig gelesen haben um die neue Geschichte zu verstehen.
Ich überlebe was ich von dieser Familiengeschichte überhaupt hier preisgegeben darf, denn sie ist einfach zu interessant und mit viel Einfühlungsvermögen geschrieben. Der Schreibstil ist flüssig, fesselnd und die Charaktere sind so gut gezeichnet, dass man sie direkt vor Augen hat.
Marcus Goldman ist auf der Suche nach einer Idee für sein neues Buch und da kommt ihm ein zugelaufener Hund zur Hilfe, der ihn zu einer Frau führt,  die er seit seiner Jugend kennt und später dann geliebt hat. Die Trennung war schmerzlich für beide und er merkt, dass er immer noch Gefühle für Alexandra Neville hegt….
Durch sie erinnert er sich an die für ihn schönsten Jahre seiner Kindheit und Jugend, die er größtenteils bei der Familie seines wohlhabenden und angesehenen Onkels Saul in Baltimore verbracht hat:
Sein Cousin Hillel, Woody, ein Junge der bei der Familie Goldman lebt und Marcus  sind im gleichen Alter und eine eingeschworene unzertrennliche Gemeinschaft, die durch dick und dünn geht und damals sogar einen wichtigen Pakt geschlossen haben…
Durch unterschiedliche Schulbesuche bzw. Studium an unterschiedlichen Universitäten verlaufen die in der Jugend erträumten Lebenswege der Drei dann doch ganz anders und im Verlauf der Geschichte kommt es zu mehreren Stolpersteinen, die die Freundschaft auf eine harte Probe stellt und da oftmals im Leben alles anders kommt als geplant, beginnt die Erzählung am 24.10.04 als Marcus Goldman einen Anruf seines Onkel Saul bekommt der wie folgt lautet:
„Marcus, Du musst sofort herkommen, es ist etwas Schreckliches passiert…..“
Doch man erfährt nicht gleich was passiert ist, nein es geht geheimnisvoll und spannend von einem Lebensabschnitt zum nächsten und erst ganz am Schluss kann man lesen, welch eine Katastrophe sich ereignet hat….
Mehr gebe ich hier nicht preis, denn dieser fesselnde Roman ist nicht nur eine Familiengeschichte, sondern hier geht es um tiefe Freundschaft, Liebe, Eifersucht, Neid, Trennung und Verlust. Einfühlsam und packend erzählt, so dass man sogähnlich ins Geschehen katapultiert wird und nach kurzer Zeit hat man das Gefühl die Figuren bzw. Personen persönlich zu kennen, so dass sie vor dem geistigen Auge erscheinen. Und genau diese Art zu schreiben hat mich schon beim ersten Roman von Joel Dicker fasziniert und es wundert mich nicht, dass er für seine Bücher bereits mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde.
Fazit:  Fesselnder vielschichtiger Roman, der einen sogähnlich ins Geschehen katapultiert, so dass die Seiten nur so dahin fliegen! An diesem Roman kommt man einfach nicht vorbei, also unbedingt lesen!
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