TOP

Catherine Shepherd: Knochenschrei

Kafel Verlag

In die Zons-Krimi-Reihe der Autorin bin ich ja erst bei „Tränentod“ eingestiegen, war aber sofort von dem hohen Niveau der spannenden Erzählkunst begeistert. Nun gibt es mit „Knochenschrei“ wieder unheimliche Spannung, im wahrsten Sinne des Wortes.
Der Prolog lässt schon erahnen, dass man gute Nerven braucht um diesen Lesestoff zu bewältigen. Mir ist das mal wieder in kürzester Zeit gelungen, da man gar nicht anders kann als lesen, lesen und immer weiter lesen, denn dies bekommt man handlungsmäßig hier geboten:
In der Gegenwart will die freischaffende Künstlerin Yasmin Büttner im neu erworbenen, aber bereits viele Jahre alten Haus im Keller eine Wand einreißen um mehr Platz zu schaffen.  Doch der freigelegte Raum ist nicht sehr groß, ein merkwürdiger Geruch steigt ihr in die Nase, irgendetwas huscht über den Boden und dann sieht sie etwas, das durch ein Tuch verhüllt wird. Sie nimmt allen ihren Mut zusammen, entfernt es und erstarrt, denn vor ihr liegt ein menschliches Skelett…
Der zuständige Ermittler ist Oliver Bergmann und ihm fällt während er den Skelettfund betrachtet der Geruch von frischem Mörtel auf.  Er schaut sich um, greift zum Hammer und haut in die andere Kellerwand  ein Loch. Sein Instinkt hat ihn nicht getrübt, dort findet er eine Tote, die man offenbar lebendig eingemauert hat und der Mörder hat eine Botschaft hinterlassen…..
Im Jahr 1497 spielt der andere Teil der Handlung, der sich aber wieder geschickt mit dem in der Gegenwart zusammenfügt, denn das anfänglich gefundene Skelett gehört offenbar zu einer Nonne, die im Mittelalter im Franziskaner Kloster in Zons gelebt hat, wo sich dann folgende Geschichte abspielt:  Die junge Brunhilde lebt seit einiger Zeit im Kloster und sie hat sich entschieden Nonne zu werden. Eines Abends wendet sich eine aufgeregte Nonne hilfesuchend an Bastian Mühlenberg und bittet ihn nach Brunhilde zu suchen, denn im Kloster ist sie nicht auffindbar. Hoffte Bastian noch anfangs die junge Nonne hätte dem Kloster den Rücken gekehrt, ereilt ihn die Nachricht von einem Leichenfund…..
Wie man es schon ahnt, bleibt es nicht bei den ersten Toten, sondern in der Gegenwart und in der Vergangenheit treibt ein Mörder sein Unwesen, der eine Vielzahl seiner Opfer lebendig einmauert….
Der Gruselfaktor ist hier von Anfang an gegeben, besonders die Szenerie vor 500 Jahren mit dem Glauben an den Teufel, lässt den Leser immer wieder neue Vermutungen anstellen, doch am Ende bei der Auflösung des Falls wartet in der Gegenwart wie in der Vergangenheit eine böse Überraschung, die nicht vorhersehbar war…
Ich habe diese spannende Lektüre einfach nur genossen, der Gruselfaktor ließ meine Nackenhaare des Öfteren hochstehen, aber die Autorin dosiert alles sehr gekonnt, so dass man gar nicht anders kann wie oben schon erwähnt: Lesen, lesen und weiterlesen….
Fazit: In Zons agiert das Böse in der Vergangenheit wie in der Gegenwart, lässt den Leser erschauern, bei der Suche nach dem Unwesen mitfiebern und letztendlich zum Schluss erstaunt aufblicken, wenn man alle Fäden in der Hand hält, denn das Ende ist nicht vorhersehbar! Einfach nur klasse! Spannung pur!

 

Read More
TOP

Public Enemy

Die zehnteilige Krimi-Serie „Public Enemy “ basiert laut Cover-Text „auf dem wahren Fall des belgischen Serienmörders Marc Dutroux…“
Da mir dieser spektakuläre Fall durch die vielen Medienberichte durchaus noch im Gedächtnis war,  war ich gespannt, was mich hier erwartet…
Zum Inhalt:
Guy Béranger ist ein verurteilter Kindermörder, der nach 20 Jahren Gefängnis nun die „Erlaubnis“ bekommen hat, die restliche Strafe in einem Kloster in einem kleinen Ort in den belgischen Ardennen verbringen zu dürfen. Die Bewohner des Dorfes wollen diesen Mann nicht in ihrer Nähe bzw. in der Nähe ihrer Kinder haben und demonstrieren lauthals vor dem Kloster während seines Einzugs. Aber nicht nur die Dorfbewohner beäugen diesen Mann argwöhnisch, auch die Mönche sind sich nicht einig, ob sie diesem Straftäter bei sich aufnehmen sollen, was aber doch geschieht…

Chloé Muller ist Polizistin und sie wird ins Kloster abkommandiert um „die Lage vor Ort im Auge zu haben“. Aber ob Chloé gerade die richtige Person ist um auf einen Kindermörder aufzupassen, ist fraglich, denn sie ist seit ihrer frühen Jugend  traumatisiert…
Während Guy sich langsam im Kloster einlebt, passiert es, dass ein kleines Mädchen aus dem Dorf spurlos verschwindet. Sofort herrscht eine angespannte Stimmung im Dorf und während die Polizei noch nach dem Mädchen sucht, rückt Béranger immer weiter in den Fokus der Dorfbewohner und der Ruf nach Selbstjustiz wird immer lauter als dann noch weitere Kinder verschwinden…

Hätte auf dem Cover nicht der Hinweis „Basierend auf wahren Begebenheiten und der Name Marc Dutroux“ gestanden, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, diese Serie mit dem „Fall Dutroux“ in Verbindung zu bringen.
Positiv ist mir der Titelsong „Black Pig“ von Lio Vancauwenberghe“ aufgefallen.
Eine düstere angespannte Atmosphäre liegt über der gesamten Handlung. Neben dem Straftäter Béranger – übrigens sehr gut dargestellt von Angelo Bison, der die Rolle des undurchsichtigen und gefühlskalten Mörders verkörpert –   gibt es aber auch noch einige andere zwielichtige und gewaltbereite Personen, die ebenfalls bei den polizeilichen Ermittlungen überprüft werden.
Etwas unrealistisch fand ich die Rolle der psychisch angeschlagenen Polizistin Chloé, die durch ein traumatisches Erlebnis in ihrer Kindheit mit „flash backs oder gar Halluzinationen“ zu kämpfen hat. Ich kann mir kaum vorstellen, dass so eine psychisch labile Ermittlerin diensttauglich ist bzw. die richtig Person ist um einen Kindermörder zu überwachen…

Auch die Vergangenheit eines der Mönche ist ein Handlungsstrang, so dass es reichlich „Nebenschauplätze“ gibt, was eine Zeitlang durchaus spannend rüberkommt. Allerdings fand ich die Auflösung des Falls etwas „wackelig“ bzw. blieben für mich einige Fragen offen, was vielleicht noch in einer Fortsetzung erklärt wird?
Fazit: Absehen davon, dass ich hier bei näherem Betrachten kaum Parallelen zum Fall Dutroux ziehen konnte, ist diese Serie düster und bis auf einige kleine „Wackler“ in der Handlung ganz spannend erzählt. Da noch einige Fragen am Ende offen sind, kann ich mir durchaus vorstellen, dass es hier noch einen „Nachschlag“ gibt.
Read More
TOP

Gerit Bertram: Das Lied vom Schwarzen Tod

das-lied-vom-schwarzen-tod

 

Durch eine sehr nette Geste bin an dieses Buch gekommen! Da ich zumeist Krimis lese, die im Hier und Jetzt spielen, war dies mein erster historischer Roman und ich war gespannt, was mich erwartet.
Schon nach den ersten Seiten fühlte ich mich ins Jahr 1522 versetzt und es dauerte nicht lange und ich war in der Handlung gefangen. Zwar hatte ich zuerst noch etwas Schwierigkeiten mit den für mich unbekannten Begriffen wie Büttel oder Metze, doch ich fand am Ende des Buches  Abhilfe, denn dort wurden diese und andere Begriffe erklärt.
Obwohl ich noch nie in Nürnberg gewesen bin, hatte ich das Gefühl beim Lesen einen Zeitsprung zu vollführen um 1522 vor Ort zu landen und durch die damaligen Gassen zu gehen.  Vor meinem inneren Augen sah ich regelrecht die hier erzählte Geschichte ablaufen, was sicherlich mit dem Schreibstil und der bildhaften Sprache des Buches zusammenhängt. Besonders gut hat mir auch gefallen, das historisch belegbare und bekannte Personen wie z.B. der Maler Albrecht Dürer und seine Frau Agnes  oder auch Martin Luther in die Handlung eingewoben sind und somit der Eindruck entsteht,  die Geschichte könne sich wirklich so abgespielt haben:
Wie in vielen anderen deutschen Städten wütet 1522 in Nürnberg der Schwarze Tod, wie auch die Pest genannt wird. Viele Familien werden durch diese furchtbare Seuche ausgelöscht. Auch die Familie Stäubling besteht seit kurzem nur noch aus Anna und ihrem Bruder Sebastian, die in die Obhut ihres Onkels, dem Gewandschneider Gerald Pfanner, kommen. Dieser lebt mit seinem Ziehsohn Martin zusammen in einem Haushalt. Es dauert nicht lange und Anna und Martin verlieben sich ineinander, was allerdings nicht im Sinne des Onkels ist, denn der hat andere Pläne für seinen Ziehsohn.  Auf Geheiß des Onkels wird Anna dann von heute auf morgen in ein Kloster in Regensburg geschickt und ihr Bruder Sebastian bekommt eine Lehrstelle bei einem Beinschnitzer zugewiesen. Den Geschwistern bleibt kaum Zeit zum Abschied und ob sie sich je wiedersehen, bleibt hier unerzählt…
Die Zeit vergeht und Anna hofft inständig ihr geliebter Martin holt sie aus dem Kloster, was aber nicht geschieht. Bald schmiedet sie Fluchtpläne und ihr gelingt es tatsächlich zu entkommen…
Sebastian hält es auch bei seinem Lehrherrn nicht aus und er gerät in die Fänge der Bruderschaft des ehemaligen Mönches Kilian Pankratius, der sich als von Gott gesandt sieht und gegen Martin Luther predigt.  Was seine Gefolgsleute zuerst nicht wissen, ist,  dass er selbst vor Mord nicht zurückschreckt, wenn es darum geht seine Ansichten durchzusetzen….
Wie es Anna auf und nach der Flucht ergeht und ob sie jemals ihren geliebten Martin oder ihren Bruder wiedersieht, verrate ich hier nicht, denn „Das Lied vom Schwarzen Tod“ ist nicht nur ein historischer Roman, der eine Liebes- und Leidensgeschichte erzählt, sondern es ist ganz gekonnt eine mörderische Handlung eingewoben, die das ganze Buch abrundet. Soviel sei nur verraten, nach vier Tagen hatte ich die mehr als 500 Seiten verschlungen…
Fazit: Hier passt alles zusammen: Historie, Spannung und Erzählkunst, die einen bis zum Ende gefangen nimmt!

 

 

Read More