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Uwe Ritzer/Olaf Przybilla: Die Affäre Mollath

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Durch die Medienberichterstattung aufmerksam geworden, verfolgte ich in letzter Zeit die Neuigkeiten zum Fall Gustl Mollath, dem Mann, der vor sieben Jahren  durch einen Gerichtsprozess in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wurde.  Was war geschehen?
Nun, die 1991 geschlossene Ehe des Ehepaar Mollath bekam irgendwann Risse. Im Buch erfährt man wie es zum Prozess wegen angeblicher Körperverletzung durch Gustl Mollath  an seiner Frau kommt. Gustl Mollath wiederum beschuldigt seine Frau, die bei der Hypovereinsbank als Anlageberaterin arbeitet und  mit großen Geldsummen jongliert,  illegale und dubiose Geldgeschäfte zu tätigen.  Auch Kollegen seiner Frau sollen in diese Machenschaften verwickelt sein.  Er kann auch Beweise anführen, doch niemand scheint sich dafür zu interessieren.
 In Briefen an die Verantwortlichen der Bank und an viele andere einflussreiche Stellen  wendet er sich mit seinem Wissen, doch niemand glaubt ihm und durch sehr merkwürdige Geschehnisse landet er dann  per Gerichtsbeschluss in der psychiatrischen Klinik, wo er dann viele Jahre verbringt,  weil man bei ihm eine wahnhafte Störung vermutet, was dann durch mehrere Gutachten auch attestiert wird…
Mittlerweile ist aber bekannt, dass es tatsächlich fragwürdige Geldgeschäfte gegeben hat, was durch einen internen Revisionsbericht der Hypovereinsbank belegt ist und der zu mehreren Entlassungen einschließlich der Ehefrau von Gustl Mollath geführt hat…
Besonders gut hat mir gefallen, die beiden Autoren das Buch so verfaßt haben, dass man sich als Leser selbst ein Bild machen kann und das nur anhand der Fakten, die dann nochmals am Ende des Buches  in einer Chronologie zusammengefasst sind, so daß man  einen besseren Überblick  über die ganzen Geschehnisse hat.
Nach dem Lesen des Buches war ich erst einmal sprachlos und irritiert und ich kann nur hoffen, dass jetzt langsam Licht in diesen bizarren Fall bzw. „Die Affäre Mollath“  kommt, denn mittlerweile ist Gustl Mollath ja frei!
Fazit:  Ohne Effekthascherei  geschriebenes Buch, das durch die bloßen Tatsachen und Fakten besticht!
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Andrea Sawatzki: Ein allzu braves Mädchen

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Viele werden Andrea Sawatzki aus dem Fernsehen kennen, wo sie im Tatort die Kommissarin Sänger spielte oder auch aus z.B. Arme Millionäre. Nun hat sie ihren ersten Roman geschrieben. Und diese Bezeichnung finde ich für das Buch auch gut gewählt, denn ein Krimi allein ist dies nicht. Eher eine leidvolle Biographie einer jungen Frau, die durch widrige Umstände jetzt in einer psychiatrischen Klinik therapiert wird.
Diese besagte junge Frau wird eines Tages völlig verstört durch spielende Kinder in einem Wald gefunden. Sie ist mit einem auffallenden Paillettenkleid und hohen schwarzen Stiefeln bekleidet. Da sie völlig verwirrt auf die herbeigerufenen Polizeibeamten wirkt, wird sie in eine psychiatrische Klinik gebracht. Anfangs will oder kann sie ihren Namen und ihren Wohnort nicht nennen und nur langsam kann eine Ärztin in Gesprächen ihr Vertrauen gewinnen. Die Frau schildert erst bruchstückhaft und auch etwas diffus von ihrem Leben, was durch einen an Alzheimer erkranken Vater nicht ganz einfach gewesen ist. Doch es ist erst schwer zu unterscheiden was Realität und was Traum ist, denn die Erzählungen verschwimmen ineinander. Doch eins wird klar, das Leben der jungen Frau geriet schon sehr früh aus den Fugen.
Parallel wird über einen rätselhafter Mord an einem ehemaligen JVA-Leiter, der sehr abgeschieden mit zwei gut abgerichteten Wachhunden in einem sehr schönen Haus lebte, erzählt.  Ein Nachbar wurde durch das ständige Hundebellen darauf aufmerksam, dass irgendetwas nicht stimmen kann und er verständigt die Polizei, die dann erst einmal die Hunde ruhigstellen muss, bevor sie überhaupt das Grundstück betreten können. Im Haus finden sie dann den Mann mit schweren Schädelverletzungen und Spuren von Gewalteinwirkung in seinem Schlafzimmer….
In diesem Buch wird schon nach einigen Seiten klar wer Opfer und wer Täter ist.  Und durch die Rückblenden erfährt der Leser dann, wie es zu der Gewalttat kommen konnte.
Der Schreibstil von Frau Sawatzki ist sehr einfühlsam und ich hatte kurz die Idee, dass Kommissarin Charlotte Sänger hier von den Problemen mit ihren Eltern berichtet, denn zu denen hatte sie ja auch ein etwas schwieriges Verhältnis.
Ein allzu braves Mädchen“ ist ein sehr lesenwertes Psychogramm
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