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Alexander Schuller: Der Kuckuck

Knaur

Thriller nach einer wahren Geschichte
Der Autor kennt sich in Sachen „Schreiben“ aus, denn das Handwerk hat er mal gelernt und war dann einige Jahre für das Hamburger Abendblatt tätig. Der geborene Münchener lebt mittlerweile in Hamburg, wo er seit fünf Jahren auch eine Weinbar betreibt.
Die Idee zu diesem True-Crime-Thriller ist ihm kommen, da „Der Kuckuck„, der hier in der Geschichte Lukas Friedrich heißt, einst sein Mitarbeiter, Untermieter und auch Freund gewesen ist, der ihn – ahnlungslos wie er war – getäuscht, manipuliert, bestohlen und ganz besonders menschlich enttäuscht hat!
Der Autors selbst „verbirgt“ sich in der Geschichte hinter der Figur Stephan Engler und aus seiner Sicht wird ein Teil der Handlung erzählt, die zeitlich im Juli 1993 beginnt:
Lukas Friedrich stammt aus gutem Haus, gelernt hat er eigentlich keinen Beruf, nur „hineingeschnuppert“ ins Gastrogewerbe seiner Familie, wo er allerdings recht schnell aneckt, die Tätigkeit einstellt und den familären Kontakt abbricht.  Er hangelt sich von Job zu Job und angekommen im Jahr 1993 arbeitet er seit einiger Zeit in einem Tennis-Club als Barmann. Dieses Metier beherrscht er gut. Mit seinem ganz besonderen Charme und seinem Auftreten kann er sich gut in Szene setzen und sein Hauptaugenmerk liegt im Club bei den etwas älteren gutbetuchten Damen der Gesellschaft. Dort kommt dann auch der Kontakt zur Unternehmerin Hannelore Plattner zustande, die zwar „verbandelt“, aber offenbar nichts gegen einen Flirt einzuwenden hat; bald geht das Gerücht im Club rum, dass Lukas und Hannelore „etwas am Laufen“ haben…
…. bis dann Hannelore Plattner ermordet in ihrem Haus aufgefunden wird.
…. Lukas gerät neben Hannelores Lebensgefährten in Verdacht den Mord begangen zu haben, doch obwohl DNA-Spuren am Tatort sichergestellt werden, steckt die Kriminaltechnik zu der Zeit noch in den Kinderschuhen, weswegen niemandem der Prozess gemacht werden kann.
Lukas taucht für viele Jahre im Ausland unter, bis er dann 2009 wieder in Deutschland auf der Bildfläche erscheint, wo er sich bei seinem neuen Arbeitgeber Stephan Engler einnistet, erst als Barmann und dann zusätzlich auch noch als Untermieter.
Die Vorliebe für reifere Frauen bringt ihn mit der Witwe Sabine Dallmeyer zusammen. Dass das „zufällige“ Zusammentreffen von ihm im Vorfeld ausgeklügelt und mit seinem Charme und Geschick arrangiert wurde, geht der Frau erst viel zu spät auf. Da hat Lukas sie bereits in seinen Klauen und treibt sein perfides Spiel mit ihr…
Lukas Friedrich ist ein meisterhafter Manipulator. Die Menschen, in deren Leben er sich hineinzwängt, sich an ihnen bereichert und die er für sein „Machtgehabe“ auserkoren hat, die haben kaum eine Chance sich ihm zu widersetzen, denn wenn man ihm in die Quere kommt, da kennt er kein Erbarmen…
Immer in Hinterkopf, dass es sich hier um ein auf Tatsachen beruhendes Geschehen handelt, stellen sich einem schon die Nackenhaare hoch.
Das Buch liest sich gut. Da man aber von Anfang an den „Übeltäter“ kennt, liegt zwar eine gewisse An(Spannung) in der Luft, aber das Level –  um hier von einem spannungsgeladenen Thriller zu sprechen – wird für meinen Geschmack nicht erreicht.
Durch die „Überschriften“ gelingt die Einordnung des zeitlichen Ablaufs problemlos. Die Szenerien sind bildhaft, werden allerdings an manchen Stellen in einer recht deftigen Wortwahl beschrieben, was ich entbehrlich fand.  Etwas Schwierigkeiten habe ich immer, wenn psychiatrische Diagnosen/Begriffe benutzt werden um Charaktereigenschaften eines Menschen zu beschreiben, wie hier „Narziss oder Soziopath“. Da hier im Kapitel, wo es um die Gerichtsverhandlung geht, aber nie ein psychiatrisches Gutachten erwähnt oder ein Gutachter aus diesem Bereich zitiert oder zu Worte kommt, fände ich es besser,  man würde auf solche „Fachbegriffe“ verzichten.
Nichtsdestotrotz hat mich dieses Buch gut unterhalten und im Hinblick auf den realen Hintergrund auch die Nackenhaare hochstehen lassen und einmal mehr erinnert, dass man nicht hinter die Fassade eines Menschen blicken kann!
Fazit: Reicht spannungsmäßig nicht an einen Thriller heran, aber für Fans des Genre „True Crime“ ist dies Buch sicherlich unterhaltsam und lesenswert!

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