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Arnaldur Indriðason: Tiefe Schluchten

Lübbe

Der pensionierte isländische Kommissar Konráð will eigentlich seinen Ruhestand genießen, doch so ganz gelingt ihm das nicht, denn nach seinem Debüt-Auftritt im Januar letzten Jahres in „Verborgen im Gletscher“ sowie im November 2020 in „Das Mädchen an der Brücke“,  gerät er aktuell eigentlich völlig unerwartet in „Tiefe Schluchten“ in die Ermittlungen eines Mordfalls:
Auf dem Schreibtisch in der Wohnung einer ermordeten Frau liegt die Telefonnummer vom ehemaligen Kommissar Konráð. Noch aus der Wohnung der Toten erhält er einen Anruf von seiner einstigen Kollegin Marta, die ihn fragt, ob er eine gewisse Valborg kenne…..
….nach dem ersten Schreck erwidert er: Eigentlich kenne ich sie gar nicht wirklich, sie hatte mich kontaktiert um ihr Kind zu finden, was ich aber abgelehnt habe…..
Nachdem Konráð etwas mehr über die Todesumstände von Valborg erfahren hat, lässt ihn der Gedanke nicht los, dass er den Tod der Frau womöglich hätte verhindern können, wenn er ihrer Bitte nachgekommen wäre, ihr Kind zu suchen, das sie gleich nach der Geburt vor vielen Jahren weggeben hatte.
Ohne weiter auf das Geschehen im Buch einzugehen, nur noch so viel: Durch akribisches Nachforschen, unzähligen Gesprächen mit Menschen, die jemals mit der Ermordeten in Kontakt gestanden haben, deckt der einstige Ermittler ein bewegendes Schicksal auf, das zudem auch noch sein eigenes Privatleben streift, denn wer die beiden vorherigen Bücher kennt, weiß, dass der Vater von Konráð ebenfalls ermordet und sein Tod nie aufgeklärt wurde. Tatsächlich war sein Vater ein Gauner, der zusammen mit einem Partner leichtgläubige Menschen um ihr Erspartes gebracht hatte. Inwieweit nun die „Tätigkeit“ seines Vaters bei den Recherchen nach Valborgs Kind eine Rolle spielen, bleibt hier unerzählt.
Ich liebe diese „leise“ Art Verbrechen aufzuklären, die ganz ohne anschauliche Gewaltszenen etc. auskommt, da hier Köpfchen gefragt ist, Menschenkenntnis, Spürsinn und Beharrlichkeit letztendlich zielführend sind, weswegen ich hier die volle Punktzahl vergebe und auf eine Fortsetzung der Reihe hoffe!
Zwar habe ich bei den isländischen Namen manchmal meine Schwierigkeiten, aber das Einordnen der Personen/Orte gelingt immer, denn dabei hilft schon der Erzählstil des Autors. Allerdings sollte man für ein besseres Hintergrundwissen/Verständnis – besonders was die Recherchen im Fall von Konráð’s Vater angeht – die Buchreihe von Beginn kennen, was ich aber nicht nur deswegen anrege, sondern auch da es sich einfach lohnt, sie zu lesen.
Ich habe alle in Deutschland veröffentlichten Bücher des Autors gelesen und bin ein absoluter Fan seiner Schreibkunst, die auch gleichzeitig Einblicke ins Leben der Isländer gibt, ob nun geschichtlicher oder auch traditioneller/gesellschaftlicher Art, was neben den spannenden Fällen eine ganz besondere Atmosphäre aufkommen lässt, die einen schnell ins Geschen abtauchen lässt.
Fazit: Köpfchen, feiner Spürsinn und Beharrlichkeit sind zielführend in diesem leise erzählten, aber nicht weniger spannenden Krimi aus dem hohen Norden! Bitte mehr davon!

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