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Arnaldur Indridason: Das Mädchen an der Brücke

Lübbe

Anfang dieses Jahres hatte ich „Verborgen im Gletscher“ vorgestellt, wo der pensionierte isländische Kommissar Konrad sein Debüt gab. Neben der spannenden Kriminalhandlung gab es auch Einblicke in das Privatleben des Kommissars, der nach der Trennung der Eltern bei seinem recht durchtriebenen Vater aufgewachsen ist.
In „Das Mädchen an der Brücke“ erzählt Arnaldur Indridason in seinem ganz eigenen Erzählstil von einem vor Jahren verstorbenen zwölfjährigen Mädchen, dass man tot in einem Fluss treibend, aufgefunden hatte. Die polizeilichen Ermittlungen von damals hatten den Tod des Mädchens als Unfall eingestuft….
In der Jetztzeit wird der ehemalige Kommissar von einem älteren Ehepaar um Hilfe bei der Suche nach ihrer Enkelin Danni gebeten. Die junge Frau scheint in schlechte Gesellschaft geraten zu sein und war offenbar als Drogenkurierin „tätig“ um sich so ihr Geld für den eigenen Konsum zu verdienen. Doch seit ein paar Tagen geht sie nicht mehr an ihr Handy, weswegen die besorgten Großeltern sich an Konrad wenden….
Während Konrad sich etwas bei seinen alten Kollegen umhört um eventuell etwas über den Verbleib von Danni rauszubekommen, beschäftigt er sich aber auch noch in seiner „Freizeit“ mit dem fragenaufwerfenden Tod seines Vaters, der zusammen mit einem Kompagnon spiritistische Sitzungen abgehalten hatte. Das Tun der beiden eher windigen Typen wirft mehr Fragen auf, als Konrad lieb ist..
Dies sind nur kleine Puzzlesteinchen aus der komplexen Handlung, die Arnaldur Indridason hier in ruhigen Tönen und durch seine geschickte spannende Erzählweise im Verlauf zusammenfügt. Ganz besonders mit welchem besonderen Fingerspitzengefühl hier ein hoch brisantes und leider auch immer wieder aktuelles Thema in diese weitgefächerte Geschichte eingewoben wurde, ist gelungen. Obwohl wie eben erwähnt, das Thema „hard stuff“ ist und das Gelesene noch lange nachwirkt, vergebe ich hier die volle Punktzahl und meine Leseempfehlung. Gern darf es weitere Bücher mit diesem Hauptakteur geben!
Fazit: Volle Punktzahl für spannende Unterhaltung, bei der man aber starke Nerven braucht!
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Hakan Nesser: Barbarotti und der schwermütige Busfahrer

btb

Es ist schon einige Jahre her als in „ Am Abend des Mordes“ der schwedische Inspektor Gunnar  Barbarotti  seinen letzten Fall gelöst hatte.
Aber nun hat das lange Warten ein Ende „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“  ist erschienen:
Im Privatleben des Ermittlers hat sich etwas getan, denn nun lebt er bereits einige Zeit mit seiner langjährigen Kollegin und mittlerweile auch Lebensgefährtin Eva Backman zusammen.  Bevor die beiden Ermittler sich dem im Buchtitel verankerten schwermütigen Busfahrer zuwenden, dauert es noch etwas und was es mit diesem Mann – sein Name ist übrigens Albin Runge –  auf sich hat, bekommt man aus unterschiedlichen Sichtweisen und verschiedenen Zeitebenen vom Autor erzählt.
In der Jetztzeit – 2018 – muss Eva Backman während eines Einsatzes ihre Schusswaffe gebrauchen um eine bevorstehende Katastrophe abzuwenden, was allerdings für einen jungen Mann dann tödlich endet…
Nicht nur Eva ist nach dem folgenschweren Einsatz „reif für die Insel“ auch Gunnar Barbarotti fühlt sich schon längere Zeit ausgelaugt und so kommen sie mit ihrem Vorgesetzen überein, dass sie sich eine zweimonatige Auszeit nehmen, die sie dann auf der Insel Gotland verbringen wollen.
Dort angekommen, passiert es, dass Barbarotti in einem zufällig vorbeifahrenden Radfahrer an einen Mann erinnert wird, der vor mehr als fünf Jahren auf die Polizeiwache kam und von Drohbriefen und –anrufen erzählte, die er bekommen habe. Er selbst vermutete einen Zusammenhang mit einem fürchterlichen Unfall in den er als Busfahrer verwickelt war und bei dem viele Menschen ihr Leben verloren…
In Rückblenden erfährt der Leser, was dann im weiteren Verlauf passiert und wie es dazu kam, dass der Busfahrer Albin Runge trotz umfangreicher polizeilicher Schutzmaßnahmen selbst Opfer eines Verbrechens wurde….
Wie es handlungsmäßig dann auf Gotland weitergeht, bleibt hier unerzählt….
Ich mag den ganz besonderen Erzählstil von Hakan Nesser. Er ist ein sehr guter Geschichtenerzähler, der genau weiß, wie er seine Leser fesselnd unterhalten kann. Das ist ihm auch in seinem neuen Buch wieder gelungen.
Allerdings hatte ich dann irgendwann eine Ahnung wie bzw. was geschehen sein könnte und lag im Großen und Ganzen richtig, weswegen ich hier einen kleinen Punkt abziehe. Nichtsdestotrotz war es wieder einmal schön vom Inspektor zu hören bzw.  zu lesen, der auch weiterhin in kniffligen Situationen Zwiesprache mit Gott hält.  Auch wie sein Privatleben sich weiterentwickelt hat, nachdem er ja im letzten Buch in eine schwere Krisensituation geraten war, ist gut eingewoben und ein angenehmer Bestandteil der Rahmenhandlung.
Ich für meinen Teil würde gern noch weitere Fälle mit diesem besonderen Ermittler-Pärchen lesen.
 Fazit: Lesenswerter, spannend abgefasster sechster Fall mit Inspektor Barbarotti
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Simon Beckett: Versteckt

Wunderlich

Etwas „schmaler“ als sonst vom Autor gewohnt, aber formatmäßig besonders gut in eine Handtasche passend, ist nun diese Krimi- Kurzgeschichten-Sammlung mit dem Titel „Versteckt“ erschienen.
Simon Beckett erzählt in einem Vorwort was es mit diesen Kurzgeschichten auf sich hat, die bereits sehr lange Zeit in einer Schublade geschlummert haben, aber auch irgendwie schon den etwas „dunklen Beckett-Stil“ (den ich ganz besonders mag!) durchscheinen lassen.
Zum Inhalt der einzelnen Geschichten möchte ich gar nicht so viel „rauslassen“, dazu sind sie zu spannend und zu lesenswert:
Der Eckpfeiler erinnerte mich ansatzweise beim Lesen an den Film „Stand by me“, der auch schaurig-schön daherkommt und in der aktuellen Kurzgeschichte ein Geheimnis lüftet, das bis in die Gegenwart nachhallt…
Ein kurzer Bericht erzählt über einen Banküberfall bzw. über den nur kurze Zeit glücklichen Rodney…
Wer von Simon Beckett den Thriller „Der Hof“ gelesen hat, der wird in Mutter Gans Anleihen – oder wie der Autor es ausdrückt „DNA“ davon entdecken,  denn diese Kurzgeschichte –  wo ein kleiner, sich verirrter Junge erschöpft auf einem abgelegenen Bauernhof strandet und dort den Alptraum seines Lebens erlebt – ist vor dem nervenaufreibenden Thriller entstanden.
Für Simon Beckett-Fans ist dieses Buch ein Muss, für alle diejenigen, die ihn als Schriftsteller noch gar nicht kennen, ein gut gelungenes „Schnupperbuch“ um es dann  – wie ich –  in Null-Komma-Nichts zu verschlingen!
Fazit: „Verstecken“ müssen sich diese schaurig-schönen Kurzgeschichten sicherlich nicht! Man möchte eigentlich noch mehr davon! Unbedingt lesen!

 

 

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Hakan Nesser: Der Choreograph

btb
Ich kann sagen, dass ich fast alle Bücher von Hakan Nesser gelesen oder als Hörbuchversion genossen habe. Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir „In Liebe Agnes“, „Kim Nowak badete nie im See von Genezareth“ und natürlich die Van-Veetreren– und Gunnar-Barbarotti-Reihe.
Nun feiert der Autor seinen 70. Geburtstag und aus diesem Anlass ist sein allererstes Werk „Der Choreograph“ nun auch auf Deutsch erschienen.
Im Gegensatz zu manch anderem aus seiner Feder ist dieses Werk nur knapp 200 Seiten stark. Durch das Vorwort von Eugen G. Brahms aufmerksam geworden, dass man als fleißiger Leser der späteren Bücher von Hakan Nesser hier durchaus den einen oder anderen Aha-Moment durchlebt, war ich gespannt, ob ich wie beschrieben manchen Ort bzw. Örtlichkeit oder Namen oder Person wiedererkenne…
Bevor ich dazu noch etwas schreibe, möchte ich kurz auf den Inhalt des aktuellen Romans eingehen:
Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive erzählt. Dort treffen zufällig ein Mann und eine Frau aufeinander und diese Begegnung, die für beide besonders und tiefgreifend ist, führt unweigerlich zu einer Liebesbeziehung. Allerdings ist das Beisammensein der beiden nicht ohne Komplikationen, denn Maria, so heißt die Frau birgt irgendein Geheimnis und verschwindet dann und wann….
Der Erzähler begegnet weiteren Personen, die eine besondere Rolle im Geschehen einnehmen. Der rote Faden, der das Buch durchläuft, ist aber die Beziehung zu der geheimnisvollen Maria, deren Auf- und Abtauchen ein großes Gefühls-Chaos beim Erzähler hinterlässt, denn er kann ohne sie nicht sein und sein Nervenkostüm ist bald so angespannt, dass er nicht sicher ist ob er in einem Traum gefangen ist oder das Messer in seiner blutbefleckten Hand real ist….
Tatsächlich taucht eine geheimnissumwitterte Maria auch in einem späteren Roman, nämlich „Die Lebenden und Toten von Winsfortauf. Auch die Stadt K., die hier im aktuellen Buch den Rahmen bildet, findet sich in den nachfolgenden Büchern wieder. Soviel zu den Aha-Effekten, von denen es noch mehr gab…
Fazit: Wer Fan der Bücher und der Erzählkunst von Hakan Nesser ist, der kommt an diesem Jubiläumsband auf keinem Fall vorbei und lesenswert ist es sowieso!

 

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Jan Costin Wagner: Sommer bei Nacht

Galiani Berlin

Der fünfjährige Jannis verschwindet spurlos vom Gelände einer Grundschule, wo ein Flohmarkt stattfindet, dabei war er gerade noch an der Hand seiner Mutter…
Die Polizei wird eingeschaltet und ist schnell vor Ort, wo man mit der Suche nach dem Jungen beginnt….
Das Foto einer Überwachungskamera gibt erste Hinweise, dass Jannis von einem Mann mit einem großen Teddy auf dem Arm entführt wurde….
Doch eine richtige heiße Spur haben die Ermittler lange Zeit nicht…
Parallelen zu einem anderen Entführungsfall in Österreich werden deutlich, aber immer noch gibt es keinen Hinweis auf den Verbleib des Jungen….
Auf dem Cover von „Sommer bei Nacht“ steht Roman und diese Einordnung finde ich auch sinnvoll, denn von einem reinen Krimi möchte ich hier nicht sprechen.
Da ich bisher keine der vorherigen Bücher von Jan Costin Wagner gelesen habe, hatte ich anfänglich so meine Schwierigkeiten mit dem ungewohnten Erzählstil/Schreibstil. Zeitweise hatte ich das Gefühl, der Autor hat hier schon mal Regieanweisungen für eine geplante Verfilmung mit in die Handlung hineingeschrieben..
Zwar war Spannung von Anfang an gegeben, aber so mancher Einblick in die Gedankenwelt der Mitwirkenden war „unheimlich/erschreckend“. Große Schwierigkeiten und Bedenken hatte ich als ich gelesen habe, was so in den Köpfen der Ermittler vor sich geht….
Die Thematik der Handlung ist leider sehr aktuell und wer regelmäßig das Tagesgeschehen in den Medien verfolgt, kann im Buch Parallelen zu realen Kriminalfällen entdecken…
Fazit: Insgesamt vergebe ich hier drei von fünf Punkten, da ich für den ungewohnten Erzählstil und besonders für die „erschreckende“ Gedankenwelt der Ermittler hier zwei Punkte abziehe!

 

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Arnaldur Indriðason: Verborgen im Gletscher

Lübbe

Ich habe mich ja schon mehrfach als Fan des isländischen Autors Arnaldur Indriðason „geoutet“ und von ihm bereits viele spannende Bücher gelesen und hier vorgestellt. 2018 gab es mit „Graue Nächte“ und „Der Reisende“  ja gleich zwei Einsätze des Ermittler-Duos Flóvent  und Thorson.
In „Verborgen im Gletscher“ kommt nun der pensionierte Kommissar Konráð  zum Einsatz, der mir bereits durch einen Kurzauftritt in einem der vorherigen oben erwähnten Krimis bekannt ist.
Während einer Wanderung auf dem Langjökull-Gletscher findet eine Reisegruppe die im Eis eingefrorene Leiche eines seit 30 Jahren vermissten Mannes. Nach der Obduktion steht fest, dass man hier in Sachen Mord ermitteln muss…
Die aufwändige, aber frustrane Suche nach Sigurvin hatte damals Konráð geleitet. Zwar gab es einen Verdächtigen, der beteuerte aber stets seine Unschuld und stichfeste Beweise gegen ihn wurden nie gefunden….
Parallel zum  neu von der Polizei aufgerollten Gletscher-Mordfall, gibt es einen weiteren Handlungsstrang, in deren Verlauf dann der ehemalige Kommissar auf Wunsch einer Angehörigen Erkundigungen einzieht. Bald kreuzen sich die Fälle und verschmelzen zu einem großen weitreichenden Kriminalfall.
Eingewoben in die Gesamthandlung sind Einblicke in das Leben von Kommissar Konráð, aktuelle Themen wie der vorherrschende Klimawandel sowie Information zum Leben in Island nebst Kultur und Geschichte.
Auch wenn es hier um „unblutige“ Morde geht und deren Aufarbeitung eher ruhige Ermittler-Arbeit in Form von Befragungen und akribischem Nachfornschen ist, gefällt mir die Art und Weise wie dies Buch erzählt wird, denn es hat mich von Anfang bis Ende gefesselt und kommt ohne „Actionszenen“ und detaillierte Tatortbeschreiben aus, weswegen es von mir die volle Punktzahl erhält.
Fazit: Ruhig erzählter, spannend abgefasster und unbedingt lesenswerter Krimi! Bitte mehr davon!

 

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Hakan Nesser: Der Verein der Linkshänder

btb
Wer kennt sie nicht, die beiden legendären Kommissare, denen Hakan Nesser mit seinen Kriminalromanen Leben eingehaucht hat: Kommissar Van Veeteren, „Sein letzter Fall“ erschien 2004 und/oder Kommissar Barbarotti ermittelte 2014 in „Am Abend des Mordes“ nach einem schweren privaten Schicksalsschlag und es schien auch sein letzter Fall zu sein.
Doch nun hat Hakan Nesser diese beiden Kommissare reaktiviert und in seinem neuen über 600 Seiten starken Kriminalroman „Der Verein der Linkshänder“ zeigen beide erneut ihr Können und jeder geht auf seine ganz spezielle Weise seinem kriminalistischen Spürsinn nach…
Ebenfalls mit von der Partie ist Kommissar Münster, der seinen alten Chef Van Veeteren kurz vor dessen 75. Geburtstag in seinen Antiquariat aufsucht und ihn mit einem alten Fall konfrontiert, den sie beide vor vielen Jahren bearbeitet und erfolgreich abgeschlossen hatten. Damals trafen sich in einer Pension fünf Personen, die alle dem Verein der Linkshänder angehörten. Dann brannte die Pension mitsamt den darin befindlichen Menschen nieder. Da man aber nur vier Leichen fand, nahm man an, dass das fünfte Mitglied der Mörder ist. Leider wurde er nie dingfestgemacht, denn von ihm fehlte bisher jede Spur…
….bis jetzt, denn ganz in der Nähe der abgebrannten Pension werden in einem kleinen Waldstück die sterblichen Überreste des damals als Täter eingestuften Mitglieds gefunden und offenbar wurde er zur gleichen Zeit ermordet wie die anderen vier….
…und somit wurde der Mörder nie gefasst und Kommissar Van Veeteren nebst Kollegen Münster haben damals schlichtweg versagt….
Während Van Veeteren noch diese Nachricht verdaut, wird auf der Veranda eines etwas abgelegenen Ferienhauses unter einer Plastikplane eine männliche Leiche entdeckt. Kommissar Barbarotti und seine langjährige Kollegin Eva Backman werden mit dem Fall betraut und schon auf den ersten Blick ist klar, der Mann ist keines natürlichen Todes gestorben….
Wie alles zusammenhängt, wie es kommt, dass diese beiden Kommissare hier in der Geschichte auftauchen und was es auf sich hat mit diesem ganz besonderen Verein, dass sollte jeder selbst lesen, denn es lohnt sich auf jeden Fall!
Hakan Nesser ist für mich ein Meister der Erzählkunst und es ist ihm wieder einmal gelungen, einen sehr spannenden und fesselnden Kriminalroman zu schreiben. Zwar schweifen die Gedanken beider Kommissare dann und wann etwas ab, doch den roten Faden verlieren sie nie. Auch bei den unterschiedlichen Zeitebenen verliert man nicht den Überblick und alles fügt sich wie kleine Puzzlesteine nach und nach zu einem Gesamtbild zusammen.
Fazit: Gelungenes „Wiedersehen“ zweier legendärer Kommissare, das man nicht verpassen sollte!

 

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