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Paul Finch: Nacht der Hunde

Piper

2019 hatte die engagierte britische Polizistin DC Lucy Clayburn in „Im Schatten des Syndikats“ ihren letzten Einsatz. Der Titel des Buches war damals Programm und ganz besonders Lucy musste in ihrem Privatleben eine gravierende Nachricht „verdauen“…
Der aktuelle Thriller „Nacht der Hunde“ setzt sich aus unterschiedlichen Handlungssträngen und Sichtweisen zusammen, führt den Leser an düstere, unheimliche Schauplätze, wo Paul Finch es durch seine detailgenaue Schilderung der Szenerien schafft, dass einem beim Lesen die Nackenhaare hochstehen….
Gleich zu Beginn verschwinden ein Rentner und sein kleiner Hund spurlos. Es ist nicht der erste Hund, der in letzter Zeit verschwand. Immer mehr  verzweifelte Hundebesitzer wenden sich an die Polizei. Besonders einer der Vierbeiner sticht nicht nur farblich aus der Menge heraus, auch sein edelsteinbesetztes Halsband bleibt Lucy im Gedächtnis.
Dann wechselt der Schauplatz und man befindet sich mitten in einer großangelegten Polizeiaktion, die DC Clayburn vor Ort leitet, denn auf einem abgelegenen Gehöft sollen illegale Hundekämpfe stattfinden und es wird vermutet, dass die in letzter Zeit verschwundenen Hunde bei diesen Kämpfen als sogenannte „Köderhunde“ fungieren….
Die großangelegte Aktion führt zu einigen Festnahmen und nachdem die zähnefletschenden, kampfbereiten Hunde gut verwahrt sind, wird das ganze zum Teil im Verfall begriffene Anwesen durchsucht. Obwohl auch Tierkadaver entdeckt werden, ein farbenfrohes Fell nebst funkelden Halsband ist nicht darunter….
Vierbeiner verschwinden vorerst nicht mehr, dafür dann aber Menschen spurlos!
…… was nichts Gutes erahnen lässt und weswegen im Verlauf nicht nur Lucy in Lebensgefahr gerät…..
Mehr möchte ich vom Inhalt dieses spannungsgeladenen und sehr fesselnden Thrillers nicht preisgeben. Nur noch anmerken, dass man hier beim Lesen schon starke Nerven braucht, denn man bekommt „hard stuff“ serviert!
In den Büchern von Paul Finch, die ich bisher gelesen habe (und das sind einige),  hatte ich immer etwas mit der Detailgenauigkeit und den ausgeschmückten Verfolgungsjagden o.ä. zu „kämpfen“. Dies hatte sich aber bereits im vorherigen Buch aus der Lucy-Clayburn-Reihe wesentlich gebessert und kommt im aktuellen nur noch vereinzelt vor, was mir gut gefallen hat.
Fazit: Nichts für schwache Nerven! Durchweg sehr spannend, fesselnd und mit Gänsehautgarantie! Bitte weiter so!
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Hakan Nesser: Schach unter dem Vulkan

btb

Vor einem Jahr hatte nach langer Zeit Kommissar Barbarotti in „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer einen neuen Fall zu lösen. Diesmal lässt Hakan Nesser seine Fans nicht so lange warten und in „Schach unter dem Vulkan“ hat der Kommissar seinen mittlerweile siebten Fall zu lösen.
Doch bis er zum Einsatz kommt, dauert es handlungs- bzw. seitenmäßig etwas. Zuvor lernt man den erfolgreichen Autor Franz J. Lunde und sein neuestes Werk kennen, an dem er arbeitet. Während einer Lesung kommt es dann zu einem Zwischenruf aus dem Publikum, der Lunde irritiert, bald fühlt er sich unwohl in seiner Haut und ist auf der Hut vor weiteren solchen bedrohlichen Äußerungen seiner Leserschaft, bis er dann nach einer Veranstaltung in Kymlinge spurlos verschwindet….
Kurze Zeit später wendet sich die Handlung der Lyrikerin Maria Green zu, die aus ihrem Leben erzählt und einer guten Freundin von merkwürdigen Dingen berichtet, die sich während ihrer Lesungen in letzter Zeit ereignet haben, die sie ängstigen. Kurze Zeit später wird auch diese Autorin vermisst…
Die dritte Person, die im Verlauf ebenfalls spurlos verschwindet ist der Literaturkritiker Jack Walde.
Die Suche nach den Vermissten gestaltet sich schwierig, es gibt keine Anhaltspunkte für eine Straftat und ob die Fälle zusammenhängen, dafür gibt es keine stichhaltigen Beweise…. 
Anfangs fiel es mir etwas schwer, in die Handlung „einzutauchen“, da hier nicht nur ein Autor „zu Wort“ kommt. Hakan Nesser hat aber durch Überschriften und Datumsangaben die Kapitel geordnet und im weiteren Verlauf bekam ich den „roten Faden“ dann auch zu fassen. Eine kleine Ahnung hatte ich was sich „hinter“ den drei Fällen verbirgt und lag da auch richtig, aber was genau geschehen ist, habe ich nicht mal ansatzweise erahnen können!
Da die umfangreichen Bemühungen in allen drei „Fällen“ ohne irgendeine Spur ins Nichts laufen, herrscht über weite Strecken Ratlosigkeit bei den Ermittlern.  Auch Barbarottis Zwiegespräche mit dem Herrgott und der Gedankenaustausch mit seiner Kollegin und Lebensgefährtin Eva Backmann sind nicht zielführend. Ich möchte dieses Buch eher als leisen (Kriminal)Roman, der mit kleinen humorvollen Passagen und einem gewissen Augenzwinkern in manchen Szenerien aufgelockert wird, einordnen, der aber dann zum Schluss doch noch mit einem unvorhersehbaren Ende überrascht, was mir gut gefallen hat.
Alles in allem vergebe ich hier vier von fünf möglichen Punkten und hoffe, die Reihe um Kommissar Barbarotti wird weiter fortgesetzt.
Fazit: Eher leiser (Kriminal)Roman, der mit humorvollen Passagen angereichert ist und mit einem unvorhersehbaren Ende punkten kann!

 

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Arnaldur Indriðason: Tiefe Schluchten

Lübbe

Der pensionierte isländische Kommissar Konráð will eigentlich seinen Ruhestand genießen, doch so ganz gelingt ihm das nicht, denn nach seinem Debüt-Auftritt im Januar letzten Jahres in „Verborgen im Gletscher“ sowie im November 2020 in „Das Mädchen an der Brücke“,  gerät er aktuell eigentlich völlig unerwartet in „Tiefe Schluchten“ in die Ermittlungen eines Mordfalls:
Auf dem Schreibtisch in der Wohnung einer ermordeten Frau liegt die Telefonnummer vom ehemaligen Kommissar Konráð. Noch aus der Wohnung der Toten erhält er einen Anruf von seiner einstigen Kollegin Marta, die ihn fragt, ob er eine gewisse Valborg kenne…..
….nach dem ersten Schreck erwidert er: Eigentlich kenne ich sie gar nicht wirklich, sie hatte mich kontaktiert um ihr Kind zu finden, was ich aber abgelehnt habe…..
Nachdem Konráð etwas mehr über die Todesumstände von Valborg erfahren hat, lässt ihn der Gedanke nicht los, dass er den Tod der Frau womöglich hätte verhindern können, wenn er ihrer Bitte nachgekommen wäre, ihr Kind zu suchen, das sie gleich nach der Geburt vor vielen Jahren weggeben hatte.
Ohne weiter auf das Geschehen im Buch einzugehen, nur noch so viel: Durch akribisches Nachforschen, unzähligen Gesprächen mit Menschen, die jemals mit der Ermordeten in Kontakt gestanden haben, deckt der einstige Ermittler ein bewegendes Schicksal auf, das zudem auch noch sein eigenes Privatleben streift, denn wer die beiden vorherigen Bücher kennt, weiß, dass der Vater von Konráð ebenfalls ermordet und sein Tod nie aufgeklärt wurde. Tatsächlich war sein Vater ein Gauner, der zusammen mit einem Partner leichtgläubige Menschen um ihr Erspartes gebracht hatte. Inwieweit nun die „Tätigkeit“ seines Vaters bei den Recherchen nach Valborgs Kind eine Rolle spielen, bleibt hier unerzählt.
Ich liebe diese „leise“ Art Verbrechen aufzuklären, die ganz ohne anschauliche Gewaltszenen etc. auskommt, da hier Köpfchen gefragt ist, Menschenkenntnis, Spürsinn und Beharrlichkeit letztendlich zielführend sind, weswegen ich hier die volle Punktzahl vergebe und auf eine Fortsetzung der Reihe hoffe!
Zwar habe ich bei den isländischen Namen manchmal meine Schwierigkeiten, aber das Einordnen der Personen/Orte gelingt immer, denn dabei hilft schon der Erzählstil des Autors. Allerdings sollte man für ein besseres Hintergrundwissen/Verständnis – besonders was die Recherchen im Fall von Konráð’s Vater angeht – die Buchreihe von Beginn kennen, was ich aber nicht nur deswegen anrege, sondern auch da es sich einfach lohnt, sie zu lesen.
Ich habe alle in Deutschland veröffentlichten Bücher des Autors gelesen und bin ein absoluter Fan seiner Schreibkunst, die auch gleichzeitig Einblicke ins Leben der Isländer gibt, ob nun geschichtlicher oder auch traditioneller/gesellschaftlicher Art, was neben den spannenden Fällen eine ganz besondere Atmosphäre aufkommen lässt, die einen schnell ins Geschen abtauchen lässt.
Fazit: Köpfchen, feiner Spürsinn und Beharrlichkeit sind zielführend in diesem leise erzählten, aber nicht weniger spannenden Krimi aus dem hohen Norden! Bitte mehr davon!
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