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Huss – Verbrechen am Fjord – Staffel 1

Edel Motion VÖ 04.06.21

Den Nachnamen Huss verbinde ich natürlich sofort mit den spannenden Büchern der schwedischen Schriftstellerin Helene Tursten, wo Irene Huss bei der Kripo in Göteborg als Ermittlerin sehr erfolgreich Kriminalfälle löst. Mittlerweile sind ja die zehn Bücher der Reihe auch unter dem Titel  „Irene Huss – Kripo Göteborg“ mit Angela Kovács in der Titelrolle verfilmt worden.
Jetzt gibt es einen „Ableger“ dieser Krimi-Reihe mit dem Titel „Huss – Verbrechen am Fjord – Staffel 1“ wo nun Katarina „Kati“ Huss (toll besetzt mit Karin Franz Körlof), die Tochter der berühmten Irene, berufsmäßig in die Fußstapfen ihrer Mutter tritt.
Die Staffel beginnt mit Katis erstem Tag als Polizeianwärterin. Mit einer weiteren Anwärterin gehört sie ab jetzt zum Team um Johan Jansson, wo sie lernt, wie sie sich als Streifenpolizistin auf den Straßen von Göteborg zu behaupten hat.
Für Katarina ist es kein leichter Start, denn jeder kennt natürlich ihre Mutter und die arbeitet mittlerweile in hoher Position auch auf dem gleichen Revier, in dem sie nun ihren Dienst antritt. Recht schnell geht das Gerücht rum, dass ihre Mutter ihr hilfreich unter die Arme gegriffen habe. Da aber niemand weiß, dass es sich eher andersrum verhält, muss Kati anfangs einige „Dämpfer“ von Seiten ihrer Kollegen einstecken und auf „Hilfestellung“ von Seiten ihrer Mutter will und kann sie nicht zurückgreifen, denn Irene Huss war/ist keinesfalls sehr angetan vom Berufswunsch ihrer Tochter, weswegen sie auch deren Start in den Polizeidienst eher mit Skepsis und Mißtrauen verfolgt….
Da Kati eine selbstbewusste und engagierte junge Frau ist, meistert sie die anfänglichen Stolpersteine und Hindernisse mit Bravour. Durch ihre besondere Art, ihr Einfühlungsvermögen und ihrem hellen Verstand kann sie sich langsam den Respekt ihrer zumeist männlichen Kollegen „erarbeiten“. Ihren Vorgesetzten und anderen Mitarbeitern des Reviers bleibt das nicht verborgen und so bekommt sie im Verlauf auch die Chance an Mordermittlungen aktiv teilzunehmen. Aber auch „zwischendrin“ muss Kati sehr viel Mut beweisen, denn sie gerät in eine Geiselnahme oder sie meldet sich freiwillig für einen sehr kniffligen Undercover-Einsatz.
Die Fälle sind vielseitig/vielschichtig und inspiriert durch reale Ereignisse wie z.B. die brutalen Krawalle während eines EU-Gipfels, wo es dann handlungsmäßig zu einem schwerwiegenden Zwischenfall in den eigenen Reihen der Polizei kommt, weswegen dann bei Katarina Zweifel kommen, ob hier alle Kollegen auch wirklich nach Vorschrift gehandelt haben….
Auch wenn ich es etwas schade fand, dass Angela Kovács nicht wieder in die Rolle der Irene Huss geschlüpft ist, kann sich diese neue Serie darstellerisch sehen lassen, ganz besonders die wunderbare „Verkörperung“ der Katarina Huss durch Karin Franz Körlof hat mir sehr gefallen.
Die Serie ist sehr spannend aufgemacht, durch einen kleinen „roten Faden“ der die ganze Staffel durchzieht, schwebt eine unheilvolle, nichts Gutes vermutende, knisternde Ungewissheit über der ganzen Szenerie, so dass hohes Spannungspotential vorhanden ist. Alles in allem gibt es hier Krimi-Kost vom Feinsten, die hoffentlich bald fortgesetzt wird!
Fazit: Dieser „Serien-Ableger“ ist gelungen! Toll darstellerisch besetzt und angereichert mit spannungsgeladener Krimi-Kost vom Feinsten, die gern noch fortgeführt werden darf!
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Ben Tomasson: Forsberg und das verschwundene Mädchen

Droemer Verlag

Dies ist Kommissar Frederik Forsbergs erster Auftritt, aber nicht das „Schreib-Debüt“ des Autors, denn Ben Tomasson hat bereits einige Krimis veröffentlicht, u.a. als Co-Autor der Sabine-Kaufmann-Reihe gemeinsam mit Daniel Holbe.
Die Geschichte „Forsberg und das verschwundene Mädchen“ spielt in Schweden in der Landschaftsidylle des Göteburger Schärengartens, genauer gesagt auf der kleinen Insel Kalvsund, wo die zwölfjährige Lisbet Larsson mit ihren Eltern lebt. Die Mittsommerfestivitäten sind in vollem Gange und überall herrscht vergnügtes Treiben, auch Familie Larsson ist darunter…
In der Skogome-Haftanstalt herrscht große Aufregung, denn Carl Kroon, ein verurteilter Sexualstraftäter ist von einem Freigang nicht mehr zurückgekehrt und nun auf der Flucht….
Frederik Forsberg wird mit der Suche nach ihm beauftragt. Er bekommt ein auf die Schnelle zusammengewürfeltes Team, dessen Mitglieder alle aus den unterschiedlichsten Gründen beruflich in Schieflage geraten sind, aber das interessiert Forsberg im Moment am wenigsten, da die Ergreifung Kroons im Vordergrund steht.
Rune Dahlberg lebt nach seiner Haftverbüßung wieder auf seiner Heimatinsel Kalvsund. Auch er wird als Sexualstraftäter in den Polizeiakten geführt und nicht nur dieser Umstand macht ihn für Kommissar Forsbergs Ermittlungen interessant, sondern das Hauptaugenmerk liegt auf dem zeitlichen Zusammenhang seiner Haftzeit in Skogome, wo er unter dem „Schutz“ von Carl Kroon seine Strafe verbüßte, weswegen die Vermutung naheliegt, dass Kroon nun seinerseits „Hilfe“ bei Rune Dahlberg einfordert und er nach Kalvsund geflüchtet ist….
Während die Ermittlungen im Fall Kroon auf Hochtouren laufen, verschwindet die kleine Lisbet spurlos. Als man dann noch im Haus von Dahlberg Spuren von Kroon findet und auf dem Grundstück ein Kleidungsstück von Lisbet, muss befürchtet werden, dass Kroon rückfällig geworden ist und Lisbet entführt hat….
Die Gesamthandlung ist vielschichtig. Durch den besonders fesselnden Erzählstil des Autors, fliegen die Seiten nur so dahin. Es liegt eine düstere Anspannung über der ganzen Szenerie. Während die fieberhafte Suche nach Kroon und Lisbeth die kleine Insel und das Team um Forsberg in Atem hält, werden die Familienmitglieder und der Freundes- und Bekanntenkreis durchleuchtet. Nicht nur die Ermittler haben alle ihr Päckchen zu tragen, sondern auch bei Familie Larsson liegt einiges im Argen, weswegen im Verlauf sogar Lisbets Vater in den Fokus der Ermittlungen rückt…
Ich habe diesen Krimi gern gelesen, der Autor spielt mit der Fantasie der Leser und man taucht in seelische Abgründe ein. Da eigentlich jeder im Verlauf hier etwas zu verbergen hat, tappt man bis zum Schluss im Dunkeln und erfährt erst nach einem nervenaufreibenden Showdown wer oder was hier „das Böse“ verkörpert! Genau das hat mir besonders sehr gut gefallen!  Die Szenierie wird bildhaft geschildert und die schöne Landschaftskulisse ist trügerisch und lässt viel Raum für Vermutungen, so dass alles in allem wendungsreich und unvorhersehbar bleibt, weswegen ich hier die volle Punktzahl für diesen rundum gelungenen sehr spannenden Krimi vergebe und hoffe, dass es bald eine Fortsetzung der Reihe gibt!
Fazit: So muss ein Krimi sein! Spannend, ungemein fesselnd, wendungsreich und unvorhersehbar! 

 

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Helene Tursten: Schneenacht

btb

Ein neuer Fall für Embla Nyström, die junge Kriminalinspektorin aus Göteburg, die zuvor in „Sandgrab“ ermittelte.
Immer wieder kommt es vor, dass Embla von wiederkehrenden Alpträumen geplagt wird und sie schweißgebadet aufwacht. Den Grund dafür kennt sie nur zu gut, denn vor mehr als zehn Jahren wurde ihre beste Freundin Lollo vor ihren Augen entführt und sie selbst von einem der Entführer mit dem Tod bedroht….
Um mal etwas „zur Ruhe zu kommen“, gönnt sich Embla ein paar freie Tage und fährt zu ihrem Onkel Nisse mit dem sie gern in den Wäldern jagen geht. Doch mit Ruhe und Erholung ist es schnell vorbei, denn sie wird um Unterstützung gebeten, da man in einer abgelegenen Hütte in einem Ferienresort die blutverschmierte Leiche eines Mannes gefunden hat. Wegen der schlechten Witterung mit ständig neuem Schneefall kann die örtliche Polizei, die bereits zu einem anderen verdächtigen Todesfall gerufen wurde, die abgelegene Hütte nicht so schnell erreichen.
Daher macht Embla sich auf den Weg durch die verschneite Landschaft um sich vor Ort ein Bild zu machen:
Im Schlafzimmer liegt auf dem Bett ein toter Mann in einer großen Blutlache, auf seiner Stirn kann Embla ein Einschussloch erkennen. Als sie etwas näher an den Toten herantritt, erstarrt sie und es dauert eine gewisse Zeit bis sie realisiert, wer dort tot vor ihr liegt: Es ist der Mann, der sie einst bedrohte, während ihre Freundin entführt wurde. Bis heute fehlt jede Spur von ihr…
Helene Tursten erzählt in „Schneenacht“ eine Geschichte, die sich aus unterschiedlichen Kriminalfällen zusammensetzt. Für Embla wird es ein ganz besonders persönlicher Fall, der sie nicht nur gedanklich in ihre Vergangenheit zurück führt….
Die schneebedeckte Landschaftskulisse passt gut zu den eiskalten Morden, die hier im Verlauf passieren. Während die Ermittlungen langsam anlaufen, lernt Embla einen jungen engagierten Polizeiinspektor namens Olle Tillman kennen, der für die örtliche Polizei arbeitet und mit dem sie gemeinsam von einem Einsatzort zum nächsten „schlittert“, denn die Todesfälle in der Gegend häufen sich. Während sich langsam einige Puzzlesteinchen zusammenfügen, geraten Embla und Olle bei einer Kontrollfahrt auf extrem kriminelle Energie und es wird von jetzt auf gleich lebensbedrohlich für sie…
Ich habe bisher immer gern die Kriminalgeschichten von Helene Tursten gelesen, auch dieses Buch. Doch das gewisse „Etwas“ der früheren Bücher –  wo Irene Huss noch die Ermittlungen übernahm -,  vermisse ich seit Beginn der Reihe mit Embla Nyström.  Die Ansätze sind da, doch teils verliert sich die Autorin z.B. in ausgiebigen Beschreibungen der servierten Menüs beim Essen oder schmückt Situationen aus, was die Spannung bremst, was echt schade ist. Auch letztendlich die Auflösung der Mordfälle war keine große Überraschung für mich, hatte ich doch in dieser Richtung schon Vermutungen angestellt. Die Endszenerie hat ja etwas von einem Cliffhanger und ich gehe davon aus, dass dies nicht der letzte Einsatz von Embla und Co. sein wird, so dass man das nächste Buch abwarten sollte, ob die Autorin nicht  doch noch wieder zu ihrem alten Erzählstil zurückfindet.
Fazit: Morde in eiskalter Winterlandschaft, deren Aufklärung allerdings das gewisse „Etwas“ an Spannung fehlt, da stellenweise Nebensächlichkeiten erzähltechnisch zu viel Raum einnehmen, was schade ist, denn Potential ist auf jedem Fall vorhanden!
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